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lezt erklärt ſich Alles, und ich eile der Behörde die Anzelze zu machen. Sie dürfen ſich Glük wünſchen, mein Herr Leo Durand, daß dieſer Vorfall keine unangenehme Folgen für Sie gehabt hat.“
„In der That, das iſt ein Glük„ ſagte Leo.
Nach der Niederlage von Montargis wurde Leo ein Phi loſoph. Er ſah, daß ihm keine Heirath gelingen wolle, und ſo entſchloß er ſich, ein Jungge⸗ ſelle zu bleiben. Das Erbe ſeines Onkels erlaubte ihm bald, ſich all' den Zer⸗ ſtreuungen und Annehmlichkeiten zu überlaſſen, die ſich in Paris einem rei- chen Junggeſellen darbieten.
Onkel Lombard ſtarb nämlich rplözlich in Marſeille, und hinterließ ſei⸗ nem Neffen ein Vermögen von fünſmalhunderttauſend Franken; Leo ſtürzte ſich in einen Strudel von Vergnügungen, und betrachtete nun die Ehe unter elnem neuen Geſichtspunkte. f a
Ein Jahr war ſeit ſeiner unglüklichen Reiſe nach Montargis verfloſſen, als Leo auf einem Valle mit einer ſehr hübſchen jungen Frau zuſammentraf, die bei Nennung ſeines Namens zu ihm ſagte:
„Es hätte wenig gefehlt, ſo hieße ich Madame Durand.“
„Ach!— vielleicht ein Verwandter von mir.“
„Ein Herr Ignaz Durand, Rentier zu Paris. Kennen Sie ihn?“
„Freilich! Wir haben auf eine ſonderbare Art Bekanntſchaft mit einan⸗ der gemacht. Auf einer Reiſe im verfloſſenen Jahre wurden unſere Paſſe ver⸗ wechſelt, und man arretirte ihn. Glüklicher Weiſe für ihn kam ich den Tag darauf von Montargis zurük, und...
„Von Montargis?... und Ihre Paſſe wurden verwechſelt?“
Ja, Madame; er hatte den meinen und ich den ſeinen: der Irrthum eines Gensd'armen war hieran Schuld. Und da wir keine Aehnlichkeit mit einander haben...
„Ach! mein Gott! was ſagen Sie dal.. Sie waren es!...
„Wie, ich war es?... Was wollen Sie damit ſagen?... Ich bitte Sie, haben Sie die Güte, mir zu erklären—“ a
„Ich bin Euphroſine Dutillois, mein Herr. Ich bin Ihnen damals ent⸗ gegengefahren, um mich durch den Augenſchein zu überzeugen... Im Gaſt— hofe von Montargis ſah ich Ihren Paß, und...
„Und das Signalement ſchrekte Sie ab. Dies war freilich nicht ganz ohne.— Und ich, der ich mir Glük gewünſcht hatte, den Unannehmlichkeiten dieſes Verſehens entgangen zu ſein! Doch, Mademoiſelle, wäre es mir viel— leicht vergönnt, zu hoffen..
„Jezt, mein Herr, bin ich verheirathet; ich nenne mich Madame Javin. Dort, gegenüber von uns, an jenem Tiſche, ſizt mein Mann.“
Sie zeigte Leo eine plumpe Geſtalt von einfältigem Ausſehen, der die Freude über das ihr zugefallene Aß aus den Augen ſtrahlte.
„Verdammter Paß!“ rief Leo aus. „Verbammter Paß lee murmelte Euphroſine vor ſich bin.


