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ein Mal brauchte get zu werden.— Vor einigen Tagen erſchienen zwei 15jährige Mädchen, deren Ausſehen und Kleidung das größte Elend verrie— then, vor dem Magliſtrat von Kenſing⸗ ton und flehten weinend um Aufnahme in ein Gefängniß. Sie ſagten:„Un⸗ ſere Eltern ſind geſtorben. Wir haben keine Verwandten und kein Obdach. Die 3 lezten Monate brachten wir die Nächte in den Parks und in den Fel⸗ dern zu, wofür wir 30 Tage ins Ge⸗ fängniß geſezt wurden. Nach unſerem Austritt war der Park wieder unſere einzige Schlafſtätte. Ein Polizeidiener führte uns auf Befehl des Hrn. Bar⸗ low(eines der anweſenden Magiſtra⸗ ten) zu dem Gemeindevorſteher, der uns nach langem Warten in ſeinem Vorzimmer zulezt weggehen hieß, ohne uns einen Heller zu geben; wir ſeien alt genug, um uns ſelbſt fortzuhelfen. Als wir ihm ſagten, daß wir verhun⸗ gen müßten, erwiderte er, wir ſollen uns an den Herrn wenden, der uns geſandt habe.“— Hr. Barlow:„Ich kann nichts für euch thun, als euch nach eurem Wunſche ins Gefaͤngniß ſchiken.“— Die Mädchen weinend: „Wir würden Ihnen dafür ſehr dank— bar ſein.“— Hr. Barlow:„Ich ſchike euch nicht gern ins Veſſerungshaus, weil Ihr dort nur ſchlechter werdet(II). In dieſem Augenblike weiß ich keinen ge— eigneteren Ort für euch, als das Ge— fängniß. Geht für 15 Tage hin und kommt nach eurem Austritt gleich hie her. Indeſſen will ich für euch ein Un⸗ terkommen in einer Anſtalt ſuchen, de⸗ ren Direktion ſich nächſtens verſam—⸗ melt(2)“— Die armen Mädchen bezeug⸗ ten ſchluchzend dem würdigen Magi⸗
ſtraten ihren Dank und wurden ins Gefängniß geführt.— Ein ſeit 30 Jah⸗ ren angeſtellter Kutſcher der Königin von England hat ſich neulich erhängt, weil bei dem Feſt in der City eines ſeiner Pferde beim Anblik einer Fah⸗ ne ſcheu wurde, und er den Spott ſel⸗ ner Kameraden hierüber nicht ertragen konnte.
Berlin. Dem hieſigen Bankier Wilhelm Beer, auch in der wiſſen⸗ ſchaftlichen Welt rühmlich bekannt, wel⸗ chen erſt kürzlich der König von Dä— nemark zum Ritter des Dannenbrog— ordens ernannte, iſt nunmehr auch von unſerm, jedes Verdienſt würdigenden Könige das Prädikat eines geheimen Rat hes beigelegt worden.
Lokal⸗Zeitung.
Morelly und Zöhls. Morelly's lezte Reunion, die am 19. d. M. im Redou⸗ tenfaale abgehalten wurde, zog eine große Verſammlung an. Man ſchäzte die Zahl der Anweſenden auf 1500. Es amüſirte ſich Alles aufs Angenehmſte bei dem Wettſtreit der bel den Orcheſter, die einerſeits unter der Aegide Morellys und andererſeits unter jener unſers beliebten Muſikdirektors Hen. Zoͤhls, in Her⸗ vorbringung leichter und erheiternder Welſen ihre Kräfte maßen. Daß Hr. Zöhls im An⸗ geſichte Morellys, ſonſt einer der erſten Wie⸗ ner Tanzmuſik⸗Regenten, ſo erfolgreich her vortrat, daß er mit vielem Vergnügen an; gehört wurde, gereicht ſeinen Fortſchritten eben ſo ſehr zur Ehre, als wir uns freuen, in ihm einen ſtabilen Muſikdirektor zu beſi⸗ zen, der unſern Ballunterhaltungen durch el⸗ ne wohl dirigirte Muſtk, Seele und Leben zu verleihen befähigt iſt.
Beilage: Der Schmetter⸗ ling. Nr. 23.
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