Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
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Athen. Nach der Volkszählung don 1833 belief ſich die Zahl der Ein⸗ wohner von Athen kaum auf 7000, jezt aber iſt ſie bereits 15,000. Die Ein⸗ künfte ſind nach den RNechenſchaftsbe richten von 1856 auf 120,000 Drach⸗ men geſtiegen. Ihre Quellen ſind die Miethe für die der Regierung gehöri gen Gebäude, die Acciſe u. ſ. w. Athen zählt 13 Kirchen, in welchen Gottesdienſt gehalten wird, 12 gehö⸗ ren der orientaliſchen Kirche, eine der römiſch⸗katholiſchen. Von zwei Fried höfen gehört der eine der griech. Ge meinde, der andere der proteſtantiſchen. Der königl. palaſt hat eine ſchöne und geſunde Lage. In Athen beſinden ſich: ein Militär- und Civil⸗Hoſpital, ver⸗ ſchiedene Kaſernen, ein Münzhaus, die königliche DOrukerei, neun typographi ſche und ſieben lithographiſche Preſſen, die über 70 Arbeiter beſchäftigen, eine Univerſität, ein Gymnaſium(mit 30 Freiſtellen für arme Schüler), eine helleniſche Schule, eine Stadtſchule, ein Seminar für Schullehrer, außer verſchiedenen Privatſchulen(z. B. der von den amerikaniſchen Philhellenen geſtifteten und unterhaltenen Schule). Die ehemalige türkiſche Schule iſt zu einem Gefängniß eingerichtet worden. Die von Fremden angelegten Fabriken verſprechen zu gedeihen. In Athen be⸗ finden ſich 20 öffentliche Brunnen, und außerdem werden noch die öffentlichen und vielen Privatgebäude von der gro⸗ ßen Waſſerleitung mit Waſſer verſehen. Die Regierung hat nichts verabſäumt, um die Geſundheit der Bewohner Athens ſicher zu ſtellen. Große Sum men ſind verwendet worden, um die alten Kanäle auszubeſſern und zu rei⸗ nigen, welche die Unreinigkeiten aus der Stadt ableiten.

Stuttgart. Die neue viertel⸗ jahrsſchrift, die bei Cotta erſcheint, iſt für nächſtens angekündigt, aber noch

nicht erſchlenen; dafür iſt aber das Schiller's Album da, das ſich bereits in dem hier herauskommendenSpie gel einer ſehr glimpflichen, ſchonen⸗ nenden Beurtheilung zu erfreuen hat⸗ te. Auffallend iſt es, daß ſo wenig von den jüngern Autoren eingeſandt wur den, namentlich von den jezt Epoche machenden Köpfen nichts. Der treffliche Stahlſtich, der uns das Schiller Mo nument verſinnlicht, hat mich nicht be friedigt. Die gebeugte Haltung des Dichters ſcheint mehr ſeinem körperli chen Leidenszuſtand anzugehören, der uns aber aus den Werken des großen Mannes nirgends erſichtlich wird. Ich will recht gern glauben, daß das ko loſſale Standbild aus Erz dennoch ei⸗ nen erhebenden Eindruk machen wird; da muß man aber abziehen, was eben auf Rechnung der Größe und Mate rials, die an und für ſich ſchon impo niren, zu ſtehen kommt. Die Idee erſchien mir nicht glüklich, Schiller ſo zu bilden. Wie ganz anders iſt da Danneker's Büſte aufgefaßt.

Gent. Hier ſtürzten vor eini gen Tagen 3 Kinder in die Schelde; eine Dame von hohem Rang, Madam Colpaert, geb. van Maldeghem, ſah das Unglük, ſprang in den Fluß und rettete mit Lebensgefahr die Kinder vom Ertrinken. Mad. Colpaert bat ſich indeß bei ihrem menſchenfreundlichen Bemühen eine Erkältung zugezogen, welche ſie auf das Krankenlager gewor fen hat.

Buntes aus London. Thal⸗ berg, der gegenwärtig in England rei- ſet, überall Bewunderung erregt und eine reiche Guineenernte hält, läßt ſich überall hin ſein Pianoforte ſchaffen. Dieſes Inſtrument hat nun bereits eine Reiſe von mehr als 1400 Meilen ge⸗ macht u. iſt in mehr als dreißig Kon⸗ zerten geſpielt worden, ohne daß es