Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
756
 
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Pflichten und Rechten, und Euphroſine, dle ſeit einer Stunde in traͤumendem Stillſchweigen verharrt hatte, unterbrach jezt plözlich ihre Mutter und ſagte:

Es ſcheint mir, daß wir uns doch ein wenig zu ſehr beeilt haben, Herrn Durand, auf die Empfehlung ſeines Onkels, anzunehmen.

Herr Lombard, erwiderte ihre Mutter,iſt unfähig, uns zu täu⸗ ſchen. Ueber dies hat mein Notar über Alles die nöthige Erkundigung ein⸗ gezogen.

Ich zweifle nicht an ſeinen ſechstauſend Franken jährlicher Einkünfte; ich will auch gerne glauben, daß er von guter Familie iſt, und daß man ge⸗ gen ſeine Sitten nichts einzuwenden hat. Dies iſt alles ganz gut für Sie, Sie haben Ihrer Verantwortlichkeit als Mutter Genüge gethan, und werden Ihrer Tochter ein ſchikliches Loos bereitet haben; aber für mich iſt dies nicht hinlänglich; der Herr muß mir auch gefallen, und ich glaube, bemerkt zu ha⸗ ben, daß, ſo ſehr auch Herr Lombard den Charakter ſeines Neffen rühmte, er es doch ſtets vermied, etwas über deſſen Perſon zu ſogen

(Beſchluß folgt.)

Die Königin Victorla. (Aus einem Schreiben aus London.) *

Die Königin iſt von mittlerem Wuchfe, eher klein als groß, ihre Au⸗ gen ſind groß und ziemlich wohl geſchnitten, ihre Stirn verraͤth Intelligenz, ihr Taint iſt von einem tiefen Blaßgelb, auf dem oft eine friſche Röthe ſich zeigt. Sie iſt außerdem bemerkenswerth durch die Einfachheit ihres guten Ge⸗ ſchmakes, den ſie in ihrer Toilette jedesmal zeigt, wenn ihre Funktionen es ihr nicht nöthig machen, ein mit Zierrathen überladenes Koſtume anzuthun. Ihre glatten Haare ſind in der Regel in Flechten geordnet, und ihr Paz iſt der eines jungen eleganten und einfachen Mädchens, das in der Sorge, ſeine Reize zu erhöhen, weit mehr auf ſeine 18 Jahre, als auf ſein Diadem vertraut. Ich habe die Königin Victoria mehrmals geſehen, und erſt neulich betrachtete ich ſie, als ſie mit ſüßer Rührung unter den Blumen-Gewinden anhielt, mit denen man einen ſchönen Triumphbogen geſchmükt hatte, und diesmal war ich betroffen über ihre wechſelnde Geſichtsfarbe und ihre nichts weniger als feſte Geſundheit. In Hinſicht auf den Charakter der Königin kann ich Ihnen nicht mit derſelben Veſtimmtheit etwas ſagen. Wenn jedoch dem, was man ſich von ihr erzählt, Glauben beizumeſſen iſt, ſo würde ſie im Allgemeinen die Eigen⸗ ſchaften haben, die man den engliſchen Frauen überhaupt beilegt. Sie iſt zu⸗ rükhaltend, kaltblütig, und beſizt, wie man ſagt, im erſtaunlichen Grade das Vermögen, das man in dieſem Lande ſehr hoch anſchlägt, und das haupt ſächlich darin beſtehe, ſich ſeiner Gefühle, und ſeiner Ideen Meiſter zu ma⸗ chen. Es iſt das, was man hier zu Lande selfs preservation(Selbſtzurük hal⸗ tung) nennt. Man fügt noch hinzu, daß ſie eine ſeltene Feſtigkeit des Wil⸗ lens hat. Zu Zeiten ſcheint ſie durch ihre hohe Stellung beglükt; dann gibt ſie ſich einer freudigen Laune hin, und macht beißende und ſpottende Wize. Oef⸗ ters ſoll ſie jedoch finſter, widerwärtig geſtimmt und mißmuthig ſein. Die Atmosphäre hat einen außerordentlichen Einfluß auf ſie.; ihre Augen, ihr Ge⸗