Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
755
 
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blonde Haar, und einzige Tochter einer Mutter, die fünfzehntauſend Fran⸗ ken Renten aus ſicherem Fonds bezieht. Sie erhält hunderttauſend Franken Mitgift. Ich hoffe, du wirſt mit mir zufrieden ſein. Reiſe ſogleich nach Em⸗ pfang dieſes Briefes ab, und ſäume nicht, die Heirath zu vollziehen. Ich be⸗ daure, deiner Hochzeit nicht beiwohnen zu können, da ich genöthigt bin, mich ohne Verzug nach Marſeille zu begeben, und wenigſtens zwei Monate in der Provence zu verweilen. Bei meiner Zurükkunft wird es mir zur großen Freude gereichen, dich am häuslichen Heerde zu finden; und meine beſten Wünſche für euer Glük begleiten Euch. Bis dahin lebe wohl, mein Freund.

Dein ergebener Onkel Iſidor Lombard.

P. 8. Du erhälſt hier die Adreſſe deiner Braut: Mlle. Euphroſine Du⸗ tillois, bei Mad. Dutillois, bei ihrer Mutter, zu Bony, bei Montargis.

Dieſer Brief verſezte Leo in die größte Freude. Er reiſte heiter und voll Hoffnung ab, und träumte von einer reizenden Zukunft. In Fontaine⸗ bleau hilt die Diligence an, und der Kondukteur geſtattete den Reiſenden zwanzig Minuten zum Mittageſſen. Man ſezte ſich zu Tiſche. In einem Ne⸗ benzimmer endigten die Reiſenden einer anderen, von Lyon kommenden Dili⸗ gence ihre Mahlzeit, und waren eben im Begriffe, ſich wieder zur Abreiſe zun rüſten, als Gensd'armen erſchienen und die Päſſe zu ſehen verlangten, die ſorgfältig eingeſammelt und beſichtigt wurden; denn man vermuthete damals wieder eine, ich weiß nicht mehr, welche Verſchwörung. Nachdem die Gensd' ar⸗ men die gewöhnlichen Formalitäten beobachtet hatten, gingen ſie um die bei den Tiſche herum, riefen jeden Reiſenden namentlich auf und ſezten ihn wie⸗ der in Beſiz ſeines Paſſes.

Während Leo auf der Straße nach Montargis dahinrollte, gedachte man ſeiner zu Bony. Euphroſine Dutillois verdiente das Lob, welches der Onkel Lombard ihrer Schönheit ertheilt batte; ſie war ein junges reizendes Mäd⸗ chen, das keinen andern Fehler hatte, als ein wenig eigenwillig zu ſein, wie dies in der Regel alle verzogenen Kinder ſind; und in dieſer Beziehung paßte ſie ganz für Leo. Als Erbin von fünfzehntauſend Franken jährlicher Ein künfte, war Euphroſine zu reich, um in Bony eine paſſende Partie für ſich zu finden; auch hatte es noch Keiner gewagt, ſich um ſie zu bewerben, aus genommen ein Vetter von ihe, Pamphilius Javin, ein Tölpel, den ſie aus⸗ geſchlagen hatte, der jedoch noch immer an ihr hing, und von Zeit zu Zeit einen neuen Angriff wagte. Als nun Onkel Iſidor Lombard Montar⸗ gis paſſirte, erinnerte er ſich, daß ſein verſtorbener Freund Dutillois eine Wittwe mit einer einzigen Tochter und einem anſehnlichen Vermögen hinter- laſſen habe; er begab ſich nach Bony, fand Euphroſine nach ſeinem Geſchmak, und machte ſeinen Antrag, der auch angenommen wurde. Pamphilius Javin war hierüber untröſtlich; er hatte immer noch darauf gerechnet, durch ſeine Beharrlichkeit und durch den Mangel an Mitbewerbern in Bony den Sieg davon zu tragen; als er jedoch ſah, daß Paris in Wettkampf trete, verlor er gänzlich alle Hoffnung. Nachdem Onkel Lombard die Heirath ſeines Neffen eingeleitet hatte, war er abgereiſt. Leo ſollte den folgenden Tag in Bony eintreffen; Madame Dutillois unterhielt ihre Tochter mit ihren zukünftigen

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