piegel ü r Kunst, 3 und Mode.
Vehbuter 9059. qauꝗ.
94. Sonnabend, 25. Novemb. 1839.
Die Thürme Aſlnelll und Gariſendl in Bologna, um N Auguſt, 1837.
(Beſchluß.)
Von weit minderer Bedeutung war der Thurm Gariſendi. Unten wie oben auf jeder Seite 19“ breit, beträgt ſeine Mauerdike am Sokel 6— am Gipfel 4 Schuh. Im Jahre 1792 ſtand ſein Abfall von der Achſe gegen Oſt auf 8“, gegen Süd auf 31; im Jahre 1813 war die Senkung um 13, vorgerükt, daher gegen Morgen nur noch 1“ 43“, gegen Mittag aber 6“ 6 abgingen, um aus dem Schwerpunkte zu fallen. Er heißt auch Torre mozza, der ſtumpfe. Augenſcheinlich war er einſt höher, die Fabel ſezt ſogar hinzu er ſei noch einmal ſo hoch und dermaßen künſtlich gebaut geweſen, daß die obere Hälfte ſich eben ſo ſehr links, als die untere rechts hinüber lehnte!— Die Thürme theilen das Loos ihrer Herren. Wurde in den unaufhörlichen Zukun⸗ gen der Bürgerkriege ſeine Familie vertrieben, zeitlich oder ewig verbannt— wurde ihr Stolz gedemüthigt, ihr Haupt in den Staub gedrükt, ihre Kraft gebrochen: ſo ſtumpfte man auch ihre Thärme ab oder ſchleifte ſie ganz. Dem Thurme Gariſendi widerfuhr die ſchmähliche Verkürzung vermuthlich ſchon im Jahre 1195 bei der Verbannung des wakern Oliviero Gariſendi. Auch Dante bemerkte die Senkung dieſes Thurmes(Hölle, 81. Geſ: 156 V.), ohne des ſchiefen Nachbars zu erwähnen, vielleicht weil der kleinere ſich ſo auffallend bükt, daß der größere dagegen ganz gerade zu ſtehen ſcheinet u. man anfangs wirklich Mühe hat, die Senkung des lezteren zu erkennen.
Die Vertheidiger des künſtlich ſchiefen Baues führen an:
a. Das einſtimmige Zeugniß aller Kroniken, z. V. des Alidoſt, Calin⸗ dri u. ſ. w., daß ſie ſo und nicht anders gebaut worden;
b. daß in keinem jener Dekrete, welche zu verſchiedenen Zeiten das Abtragen ſo vieler anderen, nicht ſchiefen Thärme befahlen, der Thürme Aſi— nellt und Gariſendi Erwähnung geſchieht,


