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wird.— Man würde zulezt an allem gebildeten Geſchmake des hieſigen Pu⸗ blikums zweifeln, wenn man nicht zwi— ſchen dem bis zum Toben oft genug ausbrechenden Applauſe einzelne gemä— ßigte Stimmen vernähme, denen man es anhört, daß ſie weder zu den frei— willigen noch gedungenen Clagueurs ge hören.— Die Schauluſt iſt übrigens in Peſth nicht geringe, denn troz dem, daß das neue ungariſche Theater dem deutſchen eine Menge von Beſuchern entführt, ſo iſt dieſes doch faſt ſtets gefüllt und bedarf nur ſelten der ſoge⸗ nannten Ziehſtüke, um das Haus nicht leer zu ſehen.“
Ro m. In dem Theater Argenti⸗ na werden unter der Leitung des Ar⸗ chitekten Peter Camporeſe mehrere Ver— änderungen, auch in Betreff der Be⸗ leuchtung vorgenommen. Ein Theater- referent in den Notizie dol giorno vom 2. Nobemb. ermahnt die in Betreff der Vortheile dieſer Veränderungen noch ungewiſſen Römer zur Geduld u. ſagt ihnen: aspetteremo, osseveremo, di- remo.— In den übrigen Theatern wurden zu Anfang der Herbſtzeit auf— geführt: Galeotto Manfredi, das an⸗ ziehende Luſtſpiel„Le consequenze d'un ballo in maschera““(die Folgen eines Maskenballs),„Matilde di Sha- bran, 1 Tutori e la pupilla(die Vor⸗ münder und das Mündel).
Mignon⸗Zeitung.
Feuilleton aus Wien. XX. Wie erfreulich iſt es für einen Referenten wenn er endlich einmal, was ſelten der Fall, die Spalten ſeines Feuillet on's durchgehends nur mit No— vitäten, welche ſich beliebt und in⸗ tereſſant zu machen wußten, füllen kann. Dieſe Woche bot des Sehens— und Anhörenswerthen viel, doch das Bedeutendſte war unſtreitig das große
Muſikfeſt, welches unſer Muſikvereln am 5. November veranſtaltete. In dem rieſigen Saale der k. k. Winterreit⸗ ſchule wurde nämlich Haydn's un⸗ ſterbliches Oratorium„die Schöpfung“ durch 1000 Tonkünſtler und Sänger ausgeführt,(der Chor beſtand aus 702 u. das Orcheſter aus 300 Individuen.) Welchen wunderbaren Effekt die unge⸗ heuern Tonmaſſen ee wie erſchütternd die Chöre wirkten, das läßt ſich unmöglich ſchildern. Die So⸗ loſtellen wurden durch die Hrn. Wild und Staudigl und durch die bekannte Dem. Mayer, wie zu erwarten, mei⸗ ſterlich vorgetragen. Am 7. Nevember fand die zweite Aufführung dieſer groß⸗ artigen Kompoſition ſtatt, jedoch mit der Abänderung, daß anſtatt der Hrn. Wild und Staudigl die Hrn. Lutz und Draxler ſangen und gleichfalls Lob und Beifall einärnteten. Der Zudrang des Publikums zu dieſem ſeltenen Feſte war außerordentlich, mehr als 6000 Per⸗ ſonen waren jedesmal verſammelt.— Der in voraus kritiſirte, in vorhin— ein in Schuz genommene„Selbſtquä— ler“ von Bauernfeld ging am 8. Novb. im k. k. Burgtheater in die Szene. Die Aufnahme war günſtig, wenn gleich der Beifall nicht unisono.— Hr Bauernfeld wurde am Schluſſe geru— fen u. erſchien nicht, Hr Korn ſprach den Dank in ſeinem Namen. Bauern— felds„Selbſtquäler“ kann ſich nur auf unſerer Hofbühne erhalten und dies nur durch das herrliche Spiel unſeres gro— ßen Mimen Löwe und der beiden kunſt— begabten Schauſpielerinen Mad. Ficht⸗ ner und Olle. Peche. Anderswo dürf— te er ſchwerlich ſein Glük machen.— Im k. k. Hofoperntheater gab am 10. Nov. die franzöſiſche Schauſplieler— geſellſchaft ihre erſte Vorſtellung. Sie führte Scribe's Vaudeville-Drama „Malbing“ und das burleske Vaude⸗ ville„Molroud und Comp.“ von Ba⸗


