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ſeiner ſchönen Stimme durch. Chor und Orcheſter waren löblich, und ſo freuen wir uns ſehr auf die baldige Wieder— holung dieſes Tonwerkes.— Tags dar⸗ auf hatte der S ſauſpieler Hr. Deſſoir ſeine Benefize. egeben wurde:„der alte Student“, Schauſp. in 2 Akten von Maltitz und„der Pariſer Tauge⸗ nichts““, Luſtſp. in 4 Akten aus dem Franzöſiſchen von Dr. Karl Töpfer. Dem erſtern Stüke wurde ein gewiſſer pikanter Ueberguß abgeſtreift und es blieb ein ſehr mageres Gerippe zurük. Blos das ſehr eindringende Spiel des Hrn. Deſſoir in der Titelrolle konnte die Rührung und das Mitgefühl der Zuſchauer anregen. Hr. Deſſoir ward bei ſeinem Erſcheinen mit großem Ap⸗ plauſe und mit einem Lorbeerkranz begrüßt und während und nach dem Stüke viermal gerufen.— Hr. Ams⸗ linger war etwas unverſtändlich; dies große Theater erlaubt keine ſolche Oe⸗ konomie mit den Sprachwerkzeugen. — Dem. Hoch(Thereſe) war nicht an ihrem Plaze.—„Der Pariſer Tauge⸗ nichts“ erſchien zum erſten Male in ſei⸗ nem angebornen Geſchlechte. Wir ſahen endlich den Gamin, während ſich bis⸗ her die Taugenichtſün uns dar- ſtellte. Es iſt wahr, der Louis Meu⸗ nier iſt vom Dichter als ein junger Burſche von etwa 18 Jahren gezeich⸗ net; wenn aber ein gereifteres Alter hier etwas gegen die Wahrſcheinlichkeit kämpft, ſo bietet uns das Weib eine Unmöglichkeit dar, und wir ziehen jedenſalls einen etwas alternden Bur⸗ ſchen dem weiblichen vor.— Hr. Deſ⸗ ſoir war voll Beweglichkeit, Munter⸗ keit, Muthwille und gutmüthigen Humors. Er kannte ſeine Rolle per⸗ fekt und führte ſie mit Verſtand durch. Selten mangelte ſeiner quekſilbernen Regſamkeit die Natürlichkeit und man ſah ihm das Geſuchte u. Gemachte we— nig an. Daher war die Leiſtung
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im Ganzen ſo gelungen, daß wir ſie für immer in ſeinen Händen wünſchten. Das Publikum ſcheint dieſe Meinung zu theilen, denn der Beifall, den Hr. Deſſoir erntete, war enorm; er ward wenigſtens ſechs Mal gerufen.— Herr Berg(General), der nach einer lang wierigen Krankheit die Bühne wieder betrat, wurde höchſt ehrenvoll empfan⸗ gen u. er ſpielte ſeine Rolle mit wah⸗ rem künſtleriſchen Aufwande. Der Vei⸗ fall war groß.— Hr. Poſinger(Bizot), Hr. Dietrich(Eduard), Mad. Dietrich (Mad. Meunier) und Dem. Schmiedt (Eliſe) wirkten recht waker mit.— Das Haus war in allen Theilen über voll und ſelbſt die Logen zeigten ſich diesmal che valeresk, indem die meiſten beſezt waren, was in lezterer Zeit bei den Suspendu ⸗Vorſtellungen ſelten der Fall war.— Zum Schluſſe unſers heutigen Referats theilen wir den Bericht eines Reiſenden über das Peſther. Theater(in dem Frankfurter Konverſationsbatt) hier wörtlich mit: „Das Haus iſt großartig u. in man⸗ cher Hinſicht zu luxuriös gebaut. Sei⸗ ne Höhe iſt ungeheuer und übertrifft die meiſten deutſchen Theater. Jede Etage, deren bis ins Paradies hinauf ſechs(2) über einander ſind, iſt höher, als nöthig wäre. Wie es um die Aku⸗ ſtik ſtehe, kann ich nicht angeben, da ich ſtets im Sperrſize u. nahe an der Bühne war. Ein mildereres Publikum finden Thaliens Diener ſelten, wie das hieſige. Des Beifallrufens, Klat⸗ ſchens, Pochens iſt kein Ende. Was anderwärts als Ausbruk des Mißfal⸗ lens gilt, das Pochen mit den Stö⸗ ken, das iſt hier der Ausdruk des höch⸗ ſten Beifalls. Schlimm iſt es aber für die wirklich guten Subjekte, weil ein ſolcher immerwährender Beifall keinen Werth mehr haben kann, und well er dem Mittelmäßigen wie dem Ausge⸗ zeichneten in gleichem Maße geſpendet


