Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
740
 
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Das iſt ja aber nicht deine Tochter, ſprach ſie zu der Wahnſinnigen, ie ſteht dir ja nicht ahnlich. f

Cs wäre nicht mein Kind 2 Süßer Jeſus! So ſeht doch her, Schwe⸗ ſter Marthe! Es iſt ſein Mund, ſeine Augen, ganz der Vater. Ich erkenne ſte wohl. Sie kommt vom Himmel herunter... ach wie ſchön, wie lieb iſt mein Kind!«

Wahrend dieſer Reden mußte man die arme Mutter ſehen, wie ſie allen Bewegungen der Wahnſinnigen folgte, bald weinte, bald lächelte, ie nachdem ſie Miene machte, das Kind frei zu geben, oder an ſich zu zie hen.

So leihe mir einmal deine Tochter, damit ich ſie genauer betrachten kann, ſagte hierauf die gute Schweſter. 4

Ich ſie Each leihen? Einmal ſchon ſagten mir die Prieſter, ich ſollte ſie nur dem lieben Gott leihen, der einen Engel aus ihr machen würde, und nun warte ich ſchon ſo lange und ſie kommt immer nicht wieder. Ich leihe ſie nicht mehr her, ich weiß, was ich gelitten habe. Lieber wollte ich ſie tödten, und ihren Leichnam be halten. 3 1

Die Mutter war erbleichend auf die Knie gefallen, und bat weinend, daß ſie ihrem Kinde nichts zu Leide thun möchte; aber die Wahnmſinnige ach⸗ tete nicht auf ſie, ſondern war beſchäftigt, das Kind auf den Armen zu ſchau⸗ keln und es auf die Augen zu käſſen,

Der Vater war indeß fortgeeilt, um den Direktor der Anſtalt herbei⸗ zuholen. Man hatte faſt Mühe zu unterſcheiden, welche jezt eigentlich die Wahnſinnige war, da die Mutter eben ſo gräßliche Verzweiflung äußerte, und einer Raſenden glich. Man kam endlich darin überein, keine Gewalt zu ge⸗ brauchen, und die Wahnſinnige mit dem Kinde in ihre Zelle zu führen, um

Kaum befand ſich die Unglükliche in ihrer Zelle, ſo ſtellte ſie das Kind auf die Erde, und machte in ihrem Lager eine Höhlung, um es hineinzule⸗ gen, während die Mutter ihr Geſicht fortwährend an die Eiſenſtäbe heftete.

Die Wahn ſinnige legte das Kind nun in dieſe Art von Wiege, und ſang es mit zitternder Stimme in den Schlaf, dann ſank ſie ſelbſt auf das Lager hin, und ſchlief ein. Jezt ſchlich der Wärter in die Zelle, ergriff das Kind, und übergab es ſeiner Mutter, die laut vor Freuden aufſchrie, und ſo ſchnell ſie konnte, davon eilte.

Bei dieſem Schrei erwachte die Wahnſinnige. Als ſie das Kind nicht mehr erblikte, rüttelte ſie wie eine Hyäne die Eiſenſtäbe ihres Käfigs, brüllte fürchterlich, und ſtürzte dann, wie vom Schlag getroffen, zu Boden. Sie war todt.

8 Angloman ie.

Eine vornehme engliſche Familie hatte eine Loge auf eln Jahr gemie⸗ thet, allein unglüklicherweiſe gerade über der türkiſchen Trommel, die ihr allen Genuß verleidete. Die Lady beſchwerte ſich bei dem Direktor, und die ſer empfahl dem Muſiker, ſein Spiel zu dampfen. Die Lady beſchwerte ſich wieder, und der arme Künſtler, der bereits zwanzig Jahre die Trommel ſchlug, wurde abgeſezt. Sein Nachfolger, ein junger kraͤftiger Mann, ſchlug