739 kerrohrs, einer immer dünner als der andere, und darum wahrſchelnlich wenig- tens in zwei verſchiedenen Epochen übereinander gethürmt. Der unterſte hält 26, 10 im Gevierte: die Mauerdike verliert ſich allmälig von 7“ 9, auf 2“ 6“ Der Thurm hängt weſtlich über; im Jahre 1706— frühere Meſſungen kennt man nicht— betrug die ſcheinbare Senkung der Thurmſpize 12, folglich die wahre Abweichung von der Achſe 4 110. In den Jahren 1779 und 1782 fand man troz des damaligen Erdbebens keinen Unterſchied; im Jahre 1815 aber erhoben die Profeſſoren Bacelli und Antolini einige Zunahme. Mächtige Eiſenklammern(Schließen) umgürten und ein doppelter Blizableiter ſchüzet ihn. An ihm hängt der gewichtigſte Theil der Geſchichte Bologna's, angefan⸗ gen vom eiſernen Käfige für Lok vögel des Hochverraths, worein einſt der Prior des Camaldolenſer Kloſters vor dem Thore S. Mammolo geſperrt, bis zur Bronze Glo auf deren Ruf, z. B. im J. 1509, innerhalb der Ring mauern der Stadt 18,000 ſtreitbare Männer ſich erhoben. N(Beſchluß folgt.)
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Die Wahnſin nige. (Aus Lewald's„Europa“) N
In der kleinen hübſchen Stadt Saumur, an der Loire, befindet ſich ein Irrenhaus. Dieſes iſt zum Theil an einen Felſen gebaut, und die Zellen der Raſenden ſind darin eingehauen und mit großen Eiſenſtäben wohl verwahrt.
Vor wenigen Tagen war eine Frau mit ihrem Gatten und kleinen Töchterchen hingegangen, um dieſen grauenvollen Aufenthalt zu beſichtigen. Man hatte ſo eben eine Wahnſinnige in den Hof gebracht und mit einer Kette an die Mauer befeſtigt. Sie mochte kaum zwanzig Jahre alt ſein, und ihr blaues Auge war ſo ſanft, ihr bleiches Geſicht fo reizend, und ihr blondes Haar umfloß ſo anmuthig ihre Schultern, daß es doppelt wehe that, ſie zu ſehen. n 5
Die junge Frau, welche mit ihren Angehörigen dahin gekommen war, erkundigte ſich, warum man dieſe Wahnſinnige angekettet habe? Man ant⸗ wortete ihr, daß es eine Taglöhnerin aus der Stadt ſei, die von ihrem Gelieb⸗ ten verlaſſen wurde, und dann auch ihr Kind verlor, das ſie hatte. Hierüber“ war ſie wahnſinnig geworden, und da ſie oft böſe Momente hat, ſo mußte ſie angebunden werden. N
Die barmherzige Schweſter küßte, nachdem ſie erröthend, mit, niederge⸗ ſchlagenen Augen dieſe Auskunft gegeben hatte, ihren Roſenkranz. Die Fremden ſtanden noch nachdenkend da, als die Wahnſinnige mit einem Saze, ſo lang ihre Kette reichte, auf das Kind losſpringt, und damit eben ſo ſchnell nach ihrer Steinbank hinläuft.
Die Mutter ſtößt einen durchdringenden Schrei aus, und ſtürzt der Wahnſinnigen nach, die ſie wild zurükſtößt.
„Ach, es iſt ein Mädchen,“ ſchreit die Unglükliche,„ja ſie iſt es Gott gibt ſie mir wieder! wie gut iſt doch der liebe Gott!“
Dabei ſprang ſie wie kindiſch, und bedekte das Kind mit Küſſen. Der Vater wollte es ihr mit Gewalt nehmen, aber die Schweſter bat ihn, es nicht zu thun.


