735
hagen: dle Intermezzo's mit Kano⸗ nendonner und Glokengeläute, die So⸗ prane mit Schnurrbärten u. die Bäſſe in weißen Frauenkleidern. Strauß und ſein Orcheſter werden ſich bei Hof hö⸗ ren laſſen, und dann wird ganz Frank⸗ reich durch ſeinen Beifall den deutſchen Walzer nationaliſiren.— In Lyon hat ſich vor einigen Tagen der Fall ereig⸗ net, daß ein reicher Einwohner der Vorſtadt Gulllotière, als man eben den Sarg zunageln wollte, ſich zum großen Schreken aller Anweſenden er⸗ hob, und zu eſſen verlangte. Es zeigte ſich, daß er nach einer kurzen Krank⸗ heit in einen lethargiſchen Schlummer verfallen war, den man fälſchlich für den Tod hielt. Gegenwärtig iſt er ganz wohl. Nach ſeiner Ausſage hatte er Alles, was um ihn her geſchah oder geſprochen wurde, gehört, ohne ſich re⸗ gen zu können. Ein ſchreklicher Ge— danke, der wohl als hinreichende Mah⸗ nung gegen frühzeitige Beerdigung gel— ten ſollte!
New⸗Mork. Kein Amt in den Vereinigten Staaten iſt ſo einträglich, als das eines Drukers der amerikani- ſchen Landtags?(Kongreß⸗) Mitthei⸗ lungen. Er erhält dafür jedesmal 250 Tauſend Thaler, wovon ihm wenig⸗ ſtens 200 Tauſend Thaler reiner Ge— winn bleiben.
Der Modenkourier. (Paris, 5. Nov. 1857.)
„Die Mode kommt, die Mode geht, Die Mode weilet und beſteht.““
1. Die günſtigſte Solennität für die Mo⸗ den dieſer Woche war die erſte Vorſtellung der neuen Oper„Piquillo“ in der Opera⸗Co⸗ mique. Die„Faſbion““ hatte einen ihrer ſchönſten Abende in dieſem Theater. Jeder⸗ mann wollte die Mufik Montpou's fühlen, empfinden. Der Succes war diesmal kom⸗ plet.— Bemerkenswerth iſt es, daß die Da⸗
*
men für das Theater kleine Häubchen von Blonden oder Spizen angenommen haben. Iſt's Koquetterie oder Gefälligkeit? Wir ver⸗ mogen es nicht zu entſcheiden. Gewiß iſt es aber, daß durch dieſe Mode die Zuſchauerinen der erſten Reihe nicht mehr allein im Befiz des Privilegiums ſind, die Szene ungehindert zu ſehen.
2. Die Form dieſer Häubchen varllrt nur wenig; ſie werden alle ſtark hintennach aufgeſezt. Sie haben eine Spize oder Blon⸗ de, die auf der Höhe der Stirne flach iſt und daſelbſt durch zwei goldene mit etwas Glän⸗ zendem beſezt? Nadeln befeſtigt wird. Dieſe Nadeln werden durch ein vier Zoll langes Kett⸗ chen verbunden, das ſo faſt eine Ferroniere bildet, und ſich beim Anfang der Haare ab⸗ rundet. Je kleiner dieſes Geſchmeide iſt, deſto ausgezeichneter iſt es.
3. Wir ſahen auch einige Fichus* la paysanne, welche die Schultern offen laſſen und vorne und rükwärts durch Agraffen oder Brochen von Geſchmeide zuſammengehalten werden. Jene, die die Falten rükwärts des Schulter hält, iſt viel kleiner.
4. Man trug viele Kleider von Pou de Soie n, kleingeſtreift, und von reflektirenden Farben.
5. Die Aermel minder flach, die Tall⸗ len ſehr lang, der Rüken gefältelt, der Leib herzförmig, Falben— ſo ſind die modernſten Kleider beſchaffen.
0. Wenn die Aermel kurz ſind, ſind die Handſchuhe auch ziemlich kurz und mit einer Ruche, einer Bauſche oder mit Bändern gar⸗ nirt. Bei kurzen Aermeln iſt der Arm mit einem Bracelet umgeben.
7. Man ſieht Shawls und Mantelets in unendlicher Zahl u. Manigfaltigkeit. Un⸗ ker fünf eleganten Damen in Equipagen be⸗ merkten wir fünf verſchiedene Bekleidungen dieſer Art. Die erſte hatte ein Mantelet von weißem Moire mit einer ſehr hohen Blonde eingefaßt; die zweite einen Shawl von Sam- met mit Schwanenfedern eingefaßt; die dritte ein Mantelet von ſchwarzem Atlas mit einer Spize garnirt; die vierte einen Mantel mlt einem Kapuchon-Mantelet; die fünfte endlich einen Eecelide-Mantel, wie ihn unſer heuti⸗ ges Modenbild darſtellt.
8. Zum Schmuke hat man häufig Mo⸗ ſaikarbeiten und Camäen.
9. In die Anzüge der Herren ſind kei⸗ ne Veränderungen eingetreten.


