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willen(denn dleſe Topographie iſt das größte Opus diligentiae) einen Denk⸗ ſtein geſezt hat, den Jahre nicht ver⸗ wehen werden u. können. Der vollſtän⸗ dige Titel des Werkes:„Mähren, to⸗ pographiſch, ſtatiſtiſch und hiſtoriſch geſchildert“, zeigt von der Reichhaltig⸗ keit deſſelben. Ein ſehr praktiſches Buch, deſſen Beiſchaffung nicht blos fär den Mähren nüzlich, auch weithin ſeine Ausbreitung findet.— Soll ich Iynen zum Schluſſe etwas von mir er— zählen? ach, nein! Ich bin zu beſchei⸗ den, ich müßte Ihnen ſonſt das Schön⸗ ſte, das Liebeswürdigſte von mir mel— den. Aber bitten muß ich Sie: mir meinen ledernen Styl nachzuſehen. Die Verſifexe können meiſt— keine gate Proſa ſchreiben. Und Sie wiſſen, ich flattre ſelten aus den Blumengärten der Poeſie in die Akerlande der Proſa! S'iſt auch nicht mein Metier; bin längſt„penſtonirter Rezenſiringen“(9) So nennt Pückler-Muskau die Rezenſen— ten. Ein ſchönes Synonimum!— Und ſomit flattre ich in Ihren Käfig, die Taube ruht am Spiegel, oder hat mit ihrem Schmetterling ein Neſt. Erwägen Sie nun, ob die Taube das Poſtporto von 14 kr. C. M. werth iſt.
Taube aus Brünn.
Mignon ⸗Zeitung.
Valencia(in Spanien). Bei der lezten Preisvertheilung an der hie— ſigen Univerſität wurden unter andern eine Abhandlung über die Em an⸗ zipation der Gedanken als Preisſchrift vertheilt. In derſelben kommt auch eine Apologie des bekann— ten als Atheiſt verurtheilten und hin⸗ gerichteten Vanini vor.
München. Der aus ber Vara⸗ nyer Geſpanſchaft gebürtige, auch in Wien ſehr beliebte Flötenſpieler, Pros⸗
per Amtmann, gab hler am 22. Okt. ein Konzert, und erhielt einſtimmigen Beifall der zahlreichen Zuhörer. Man gab zugleich den Wunſch zu erkennen, daß dieſer berühmte Virtuos noch eine muſikaliſche Akademie geben möchte. Buntes aus Paris. Dem Notar Frémin in der Vorſtadt Saint Germain wurden neulich 64,000 Franks geraubt. Der Polizei gelang es nicht des Diebes habhaft zu werden, denn der mut hmaßliche Thäter, Namens Meudon, verſchaffte ſich einen falſchen Paß, fuhr mit der Poſt nach Calais, und von da mit dem Dampfſchiff nach
England.— Die erſte muſikaliſche Soi—
ree, welche Strauß(der„Napoleon des deutſchen Walzers“, wie das fran— zöſiſche Journal le Temps ihn nennt) am 2. November zu Paris veranſtal— tete, war ſehr glänzend. Von der Art, wie ſeine Leiſtungen beurtheilt werden, möge folgende Stelle des ge— nannten Blattes(vom 4. November) zeigen:„Das Orcheſter des Herrn Strauß beſteht aus 21 Inſtrumenti⸗ ſten, die alle vor unſern franzöſiſchen Orcheſtern ein vollkommenes Zuſam⸗ menſpiel u. eine bewundernswerthe Dis— ziplin voraus haben. Die mit ſo be— ſchränkten Mitteln erzeugte Wirkung iſt unbeſchreiblich. So viel wir nach dem erſten Anhören beurtheilen kön— nen, muß eine ſolche Ausführung in einem Tanzſaal wahrhaftig hinreißend ſein. Wenn, wie man uns hoffen läßt, Strauß und Muſard ſich eine Nacht vereinigten, um die Bevölkerung von Paris tanzen zu machen, der Eine mit ſeinen belebten Quadrillen, der An— dere mit ſeinen leidenſchaftlichen Wal— zern, dazu die Winternacht, einen ungeheuren, ſplendid erleuchteten Saal und die Maskenfreiheit; der bloße Ge—⸗ danke ſchon macht zittern.“— Etwas will jedoch dem geläuterten Geſchmak der franzöſiſchen Journaliſten niche be⸗


