Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
733
 
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Truppen ſind wandernd, und die Frauenrollen ſpielen junge Manner; aber ſo armſelig der ſzeniſche Theil des Ganzen iſt, ſo reich und glänzend ſind die Koſtüms. Sehr verwundert waren die Chineſen zu Canton, als ſie die erſte ita⸗ lieniſche Oper hörten. Eine Geſellſchaft italieniſcher Sänger, welche aus Süd amerika die Rundreiſe nach Europa über Oſtindien nahm, hielt ſich zu Macao auf, wo man durch ſechs Monate Roſſiniſche Opern hörte, und der Zufluß von Europäern und Chineſen ungeheuer war. Veſonders verwunderten ſich die Leztern, Frauenzimmer auf der Szene zu ſehen. Dieſelbe Operngeſellſchaft gab auch auf dem Vorgebirge der guten Hoffnung Vorſtellungen, und dies iſt das erſte Beiſpiel einer Oper, welche die Reiſe um die Welt gemacht hat.

Ansichten. Urtheile. Begebnisse.

Korreſpondenz.

Brünn, 11. Nov.(Nach rich⸗ ten mittelſt Taubenpoſt.) Ich komme aus Brünn geflogen, ich Brief taube, from und mild, und führe den Oelzweig des Friedens im Munde. O Herr! wie bin auch hier zahm gewor den; ich früher, ſehr früh, andrer Or ten ein Wauwau für ſchlechte Schau ſpieler, und jezt!! ja, unter den hie⸗ ſigen Schriftgelehrten! Nun komm ich und bringe Ihnen ein Paar Neuigkeiten, durchaus erſchreklich ſchö ne und gute. Soll ich zuerſt über das Wichtigſte der Welt: über unſer Thea⸗ ter Etwas ſagen? Soll ich loben? nein! warum? Hr. Thiel hat mir noch keine freie Eintrittskarte ge⸗ ſchikt. Alſo ſchimpfen? nichts da! Hr. Thiel iſt ein fleißiger, wakerer Mann, für den ich mein Wort führe. Er bemüht ſich, Alles zu leiſten u. thut viel; das Publikum thut aber am wenig ſten. Eine traurige An⸗ titheſe! Um nicht blos in's Blaue hineinzureden, mußte ich das Reflek⸗ tiren aufgeben und Hiſtoriſches berich⸗ ten. Delle. Nina Herbſt iſt da! dies iſt nun eben keine Welt geſchichte, wie man jezt à la mode ſagt, aber Nina Herbſt iſt doch eine vielbegabte,

reſpektable Schauſpielerin. Ich, und wohl das ganze Publikum mit mir, wäre einverſtanden, wenn ſie hier bliebe, doch dies thut ſie nicht, beſ⸗ ſer geſagt: s'thut's halt nimmermehr: Dem. Herbſt gaſtirt hier mit vie lem Beifalle. Als Griſeldis ſehr viel Applaus. Als Raphaele etwas weniger. So viel ich weiß, iſt diefe Raphaele ein Erſtlingsprodukt Raupach's, das er noch in Petersburg ſchrieb; es iſt auch ein Drama, was mir von jeher als unnatürlich, ja widerlich erſchien! Ich hoffe, bald mehr von unſerer aus gezeichneten Gaſtin berichten zu kön nen. Jezt hätte ich eine große Neuig⸗ keit, die mich zu erſtiken drohte, vom Herzen. Alſo weiter! ja, wenn das ſo leicht ginge. Unſere Literatur! Mein

Gott, ich hätte bald derſelben vergeſ-

ſen! Ich fühle mich hier in meiner gan zen Kleinheit, ganz Atom! doch zu einem Zwiſchenſpiel! Saphir hat uns beſucht u. ſich hier ein Paar Ta⸗ ge umgethan. Ich habe ihn da zum erſten Male geſprochen; vielleicht, daß ich Ihnen meinen Beſuch bei ihm ein⸗ mal erzähle. Die Topographie von Mähren, ein koloſſales Werk von Gre⸗ gor Wolny, ſchreitet raſch vorwärts, und es iſt gewiß: daß ſich der Verfaſ⸗ ſer ſeines ungeheuren Vienenfleißes