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Lokal⸗Zeitung.
Seltenes Brautpaar. Am 5. Nov. l. J., um 5. Uhr Nachmittag, wurden in der Peſther Thereſienſtädter Pfarrkirche, von dem dortigen hochw. Hrn. Pfarrer Joh. v. Wohl⸗ drann zwei Tau bſtumme ehelich verbun⸗ den, nämlich Johann Jankovits, 35 Jahr alt, von Peſth, aus der Thereſienſtadt gebür⸗ tig, mit Roſalia Draho, 29 Jahr alt, von Waitzen gebürtig, beide katholiſcher Religion und beide im Waitzner Taubſtummen⸗-Inſtitut erzogen und gebildet. Dies ſeltene Paar hatte einige Zeit vor ihrer Vermählung durch ge— dachten hochw. Hen. Pfarrer den üblichen Unterricht in der Religion und über die ehe— lichen Pflichten erhalten, und nachdem er ſich überzeugte, daß Beide in den guten Grund— ſäzen, wie nach den Pflichten der Religion glüklich zu leben ſei, befeſtigt waren, wur— de im Beiſein vieler Perſonen die heilige Ein ſegnung vollbracht. Es herrſchte während der heil, Handlung eine große Stille u. tiefe Rüh— rung unter der Verſammlung und man war ſehr aufmerkſam, als das neue Brautpaar die gewöhnlich üblichen Fragen ſchriftlich beant— wortete.
Theatraliſche s. Wir erhalten näch— ſtens auf unſerer deutſchen Bühne eine neue Oper von einem vaterländiſchen Kom— poſiteur, von der Sachkenner, die Gelegenheit hatten die Patitur kennen zu lernen, große Erwartungen hegen. Die Oper heißt:„Au— relia am Conradſtein“, große romantiſche Oper in 2 Aufzügen, und der Kompoſiteur iſt Hr. Andr. v. Bartay, der ſich ſchon durch ſeine gehaltreichen Leiſtungen in der Kirchenmuſik in der muſikaliſchen Welt einen ehrenvollen Ruf erworben. Herr Oberhoffer ſoll dieſe Oper zu ſeiner Einnahme gewählt haben.— Auf der ungariſchen Bühne ſezt Mad. Schodel ihre Gaſtrollen bei einer rei— chen Beifall-Ernte fort. Es heißt, daß ſte daſelbſt bleibend engagirt werden ſoll.— Als Gaſt in der deutſchen Oper etwarten wir in der nächſtfolgenden Woche Hr. Huber, vou der deutſchen Oper in Buchareſt. Hr. Huber iſt ein ſehr braver Baritoniſt und dürfte da—
her elne willkommene Erſcheinung ſeln.— Im Theater zu Ofen kamen dieſe Woche wie⸗ der zwei neue Stüke auf's Tapet.„Die Eng. länder in Paris“ von Mad. Birch Pfeiffer und„das Ladenmädchen“ vom Graſen Mal lath(das leztere iſt ſehr werthvoll).— Kliſchnigg erſchien am 15. d. M. zum Zwei⸗ tenmale als Affe Mamok bei ſehr leerem Hauſe auf der Ofner Bübne. Die Affen tönnen ſchon ſagen: IIs sont passés nos jours de fétes!
Morelly's Reunkon ſiel am lez⸗ ten Dienſtage frequent und brillant aus. Der Wunſch einer Wiederholung ſprach ſich zu laut und zu allgemein aus, als daß ihm Hr. Em- merling nicht hätte entſprechen ſollen. Die— ſemnach wird morgen, Sonntag, noch eine und zwar die lezte große Reunion, wobei Morelly und Zohls die beiden Orcheſter diri⸗ giren, abgehalten werden. Wer wird wohl dies allerlezte Feſt in dieſem Jahre gerne verſäumen wollen?
Konzert. Der bereits erwähnte be— rühmte Waldhorniſt Lewy gibt am 20. d. M. ſein erſtes Konzert im Redoutenſaale. Wir 58 uns hievon einen beſondern Kunſt⸗ genuß.
Beneflze.(Ofen.) Montag, den 20. Nov., zur Beneſize der Dem. Emilie Müller: „Der Hirſch.“, Schauſpiel in 2 Akt und „Capricioſa“, Luſiſp in 3 Akt., beide von Karl Blum. Dieſe beiden ſehr artigen Piecen haben auf allen Bühnen die reaſte Theil nahme gefunden. Hier dürfte dies um ſo mehr der Fall ſein, da die geſchäzte und liebens⸗ würdige Beneſiziantiy darin angemeſſen und dankbar beſchäfligt iſt.
Modeubil d. Nr. 46.
(Paris, 5. Novemb.) Atlashut mit Krepp überzogen. Mantel, Eecelide genannt, mit Phantaſte-Pelzwerk(oder auch mit feiner Pluche) garnirt.
Da nun die Mäntel, Mantillen, Man- telets für dieſen Winter eine entſchiedene Form angenommen haben, ſo glauben wir nicht unwilltommen zu ſein, wenn wir unſere ge— ehrten Leſerinen anzeigen, daß Hr. Anton Rosmanith, burg Damentleidermacher in Peſth(Rathausplaz, hinter dem Rathhauſe), der erſt unlängſt von einer Berufsrelſe nach Wien zuruktehrte, eine dem allerneueſten Ge⸗ ſchmake entſprechende Auswahl fertiger Män⸗ tei, Mantelets und Mantillen(auch die ſoge⸗ nannten Pariſer Eecelide-Mäntel und meh- rere Wiener Originale) von den ächte⸗ ſten u. eleganteſten Stoffen in Vorrath hat.
Halbjähriger Preis 4. fl., mit freier Poſtzuſendung 5 fl. Auf Velinpapier mit erſten Küpferab delete 5 fl. und poſtfrei 6 fl. TL. M.— Man pränumerirt im Kommiſſtonsamt zu Ofen(Feſtung, außerhalb des Waſſerthors) in C. Millers und F. Tomalas Kunſthandlung zu Peſth und bei allen k. k. Poſtämtern.
Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.


