F.——
wird ſich ergeben haben, das der Herr von Vendome ſeit zwei Monaten be⸗ lagerte.“ g 2 „Wahrhaftig, du haſt recht gerathen. Dieſer Poſtwagen kommt gerade aus Spanien, um zu melden, das Vendome Barcelona hat.“
„Was liegt mir daran? Ich werde keinen Sous von der Plünderung be⸗ kommen und nicht reicher werden, wenn man Barcelona mit Sturm nähme.““
„Ma cel, du ſprichſt wie ein Schweizer, der du biſt. Barcelona gehört Frankreich, das iſt herrlich und ich werde ein volles Glas auf die Geſundheit der Sieger trinken.“ f
Die beſchmuzte Poſtchaiſe mußte mitten auf der Straße Satory halten, weil dieſelbe von Piqueurs und Hunden gefüllt war, welche aus dem Hotel Courtevoux kamen, um ſich auf die Jagd in den Wald von Verrieres zu bege⸗ ben. Es war ein verworrener Lärm von Hörnerklingen, Geſchrei und Gebell, daß die Pferde faſt ſcheu wurden und beinahe Unglük anrichteten, was der Po⸗ ſtillon mehr durch ſeine Geſchiklichkeit als ſeine Vorſicht verhütete, denn er bemühte ſich troz dem Fluchen der Jagdbedienten und der Verſtopfung der Straße vorwärts zu kommen. 2.
Die Piqueurs fluchten und machten ſchlechte Wize über den Poſtillon, der dagegen antwortete, indem er ſich mit Peitſchenhieben Plaz machte:„Der Herr von Varbezieux wird es euch lehren, mich nur einen Augenblik zurük⸗ gehalten zu haben, denn ich habe Befehl, vor fünf Uhr am Orte meiner Be⸗ ſtimmung zu 14
„Warum ſagſt du das nicht eher?“ antworteten die eingeſchüchterten Pi⸗ queurs, welche bei dem Namen des Staatsſekretärs des Kriegs ehrerbietig bei Seite traten.„Aber du wirſt zeitlich genug kommen, denn der Marquis wird bei der Jagd ſein und vielleicht heute nicht zurükkommen, wenn die Jagd bis zum Abend dauert. Aber woher kommſt du, Freund? Bringſt du Depeſchen aus Flandern oder aus Spanien?“
„Ihr ſeid zu neugierig; wenn ich aus Flandern komme, komme ich nicht aus Spanien, weiter braucht Ihr nichts zu wiſſen. Adieu!“
„Ich wette, es iſt ein Kourier aus Spanien,“ meinte einer der Jäger, indem er den Wagen beſah, der nach dem Kriegsminiſterium hinfuhr.
„Gewiß,“ entgegnete ein Anderer,„er muß von einer ſehr weiten Rei ſe kommen, da er ſo viel Schmuz mitbringt. Und ſpricht man nicht von der Ein— nahme Barcelonas. 5
„So befindet ſich der Herr von Chemenault in dem Wagen,“ meinte ein Dritter.„Man erwartet ihn ſchon ſeit einem Monate jeden Tag.“
„Es iſt doch eine ſchöne Sache um die Einnahme Barcelonas! Der Mar⸗ quis wird uns einige Fäſſer Wein zu trinken geben.“
„Es lebe der Herzog von Vendome!““ wiederholten die Piqueurs, und begleiteten ſich mit ihren Hörnern,„er wird bald ganz Spanien erobern, wenn man ihn ſchalten läßt.“ 5
„Was gibt es? Was geſchieht?“ fragten die Bewohner, die ans Fenſter traten, um die Urſache des Lärms zu ſehen.„Iſt der König geſtorben? Iſt die Frau von Maintenon krank?“
„O nein,“ antworteten die Piqueurs,„man meldet eben die Einnahme Barcelonas durch den Herzog von Vendome.“


