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Die Bürger, welche ſo dieſe Heldenthat erfuhren, welche die Phantaſie der Piqueurs geſchaffen hatte, beeilten ſich, dieſel be ihren Frauen, ihren Nach— barn und ihren Freunden mitzutheilen. Man ſtand in Verſailles eine Stunde früher auf als gewöhnlich und die Einnahme Barcelonas war der Gegenſtand jedes Geſprächs. Das Gerücht drang aus der Stadt auch bald in das Schloß, wo man vor dem Lever des Königs laut erzählte, der Herr von Chemerault ſei endlich in der Nacht angekommen und habe ſeine Depeſchen an den Mini⸗ ſter abgegeben, der in dieſem Augenblike jagte, ohne daran zu denken, daß ſeine Gegenwart in Verſailles nothwendig ſei.
(Beſchluß folgt.)
Eine Heirath bei Dodesſtrafe.
Die beiden Korſen Franchi und Vonaldi waren Feinde und der erſtere dachte nur daran, wie er durch Nache eine Beleidigung wieder gut mache, wel— che er von jenem empfangen. Er war ein Freund des berühmten Antomarchi von Santa Lucia de Moriani und in dem Dorfe ging das Gerücht, Maria Litta, die Wittwe Antomarchi, ſei geliebt von Bonaldi, deſſen Tochter einen Sohn jener Wittwe geheirathet hatte. Franchi erfuhr dies auch und
wenn er in vierzehn Tagen ſeine Hand der Wittwe nicht gegeben habe. Der Ueberbringer des Briefes wurde von Soldaten aufgefangen und es ergab ſich, daß der Sohn Antomarchis den Banditen veranlaßt hatte, jenen Brief zu ſchreiben. Er erſchien deshalb als Mitſchuldiger an den Drohungen vor Gericht. Antomarchi iſt ein junger Mann von 285 Jahren und neben ihm ſaß ſeine junge ſchöne Frau, die Tochter Bonaldis. Antomarchi wurde zu fünfjähri⸗ gem Gefängniß verurtheilt.
Kaum war das Urtheil geſprochen, ſo warf ſich die junge Frau weinend in die Arme des Verurtheilten und ihre Lage erregte allgemeines Mitleiden. Die Klage ihres Vaters hatte die Verurtheilung ihres Mannes und das ihrem Manne zugeſchriebene Verbrechen den Tod ihres Vaters herbeigeführt; denn die Drohungen Franchis wurden bald erfüllt. Vonaldi begab ſich während des Prozeſſes nach Baſtia, um ſich für ſeinen Schwiegerſohn zu verwenden; da trat plözlich Rinaldo Franchi vor ihn und legte ſeine Flinte auf ihn an. Vonaldi bat um Gnade, Franchi aber antwortete, er verdiene keine Begnadi⸗ gung, weil er dem ihm gewordenen Befehle keine Folge geleiſtet habe und
gab Feuer. Tödtlich verwundet, gab Bonaldi wenige Tage darauf ſeinen Geiſt auf.
Der Fluß, der ſich langweilt. N
Als ſich der Kaiſer Napoleon einſt nach Poitiers begab, gelangte er an das Ufer eines kleinen Fluſſes, welcher bei jener Stadt fließt, des Clain. In gewiſſen Entfernungen waren Pfähle an dem Ufer aufgeſtellt und daran befand ſich eine Aufſchrift, deren Seltſamkeit die Aufmerkſamkeit des Kalſers erregte. Man las ganz deutlich darauf:„Ich langweile mich! Ich langweile mich!“ wiederholte


