Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
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mer geſperrt, wo man Speiſen u. Ge⸗ tränke neben ihr aufſtellte, u. ſie mit Sorgfalt bewachte. Zehn Tage lang ertrug ſie, troz der lebhafteſten Bit⸗ ten, alle Qualen des Hungers u. Dur⸗ ſtes, und lebte nur von Dem, was ſie durch unglaubliche Liſt entwendete. Schon in den erſten Tagen war die Milch ausgeblieben; bald trat auch Schwäche ein; am zehnten Tage end⸗ lich entſchloß ſie ſich, Nahrung zu neh⸗ men, und jezt ißt und trinkt ſie wie eine Sterbliche. Was ſie zu dieſer harten Probe bewog? Hang zum Wun⸗ derbaren, und die Sucht, für ein au⸗ ßerordentliches Weſen zu gelten. Es ſcheint überhaupt, daß weniger Betrug als Geiſteszerrüttung bei ihr vorwal⸗ tete. Dr. Faurel, der im Auftrag des Or. Magendie den ganzen Hergang be obachtete, behält ſich vor, in einem mediziniſchen Journal eine ausführli⸗ che Darſtellung deſſelben zu liefern. Scribe ſchreibt für die Pariſer Oper ein neues Ballet:die vornehme Da⸗ me, worin Dem. Elsler die Haupt⸗ rolle erhält. Es ſoll ſehr rührend ſein. An der franzöſiſch⸗belgiſchen Grenze wurde neulich einer Dame von den Douaniers der Schleier vom Hute weg⸗ genommenobgleich ſie ſich zum Ve weiſe erbot, daß ſie ihn von Paris mitgebracht habe; ja, man ging ſo weit, ſie körperlich zu viſitiren. Man hofft jedoch, daß dieſer ſkandalöſe Ge⸗ brauch der perſönlichen Durchſuchung, die vorzugsweiſe in Frankreich, dem vermeintlichen Eldorado der feinern Sitte, heimiſch iſt, in den Kammern nächſtens zur Sprache kommen und ab- geſchafft werden wird. Hier beſteht ein Klubb freier Weiber, welche die Ehe haſſen und die Emanzipation der Frauen mit allem Nachdruk betreiben wollen. Sie haben zweimal die Woche Sizung, bei der mehrere Frauen in Männertracht und mit der Zigarre in

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dem Mund erſcheinen. Männer werden zugelaſſen, dürfen aber nicht reden. Dagegen hat ſich in Irland ein Klubbd von irländiſchen Mädchen gebildet, welche das hageſtolze Leben ausrot⸗ ten wollen. 10 Berlin.Ein, hinſichtlich ſei⸗ ner Wirthſchaft vollkommen eingetich⸗ teter Mann von 40 Jahren, wünſcht ſich mit einer Wittwe von außer halb

unter 40 Jahren, deren Häuslichkeit

und ſanfter Charakter geſucht wird, und ein Vermögen von 5 bis 6000 Thlr. beſizt, welche derſel ben als Sicherheſt ihrer künftigen Exiſtenz zur Diſpoſi⸗ tion verbleiben, ehelich zu verbinden. um nun den reſpekt. Damen, welche hierauf reflektiren, einen ſoliden Weg zur näheren Bekanntſchaft zu öffnen, wird eine angeſebene Familie in Ver⸗ lin auf Adreſſen, die im Intell.⸗Com⸗ toir sub T. 75 erbeten werden, das Erforderliche ſofort veranſtalten.(Be⸗ kanntmachungen der Beliner Voß' chen Zeitung.)

NewYork. In Amerika iſt einer der geſuchteſten Artikel, der troz der großen Handelskriſis fortwährend ſehr geht Frauen. So ſchreibt man neuerdings aus Chicago in Illinois: 5 Alles fragt nach Frauen. Sobald die Dampfböte von Bufallo ankommen, wer⸗ den faſt alle Geſchäfte augenbliklich ein⸗ geſtellt u. eine Menge junger reicher und troſtloſer Heirathsluſtiger drängt ſich an den Landungsplaz, bereit, ihre Hand den jungen Damen zu bieten, die vielleicht mit angekommen ſind.

Lokal⸗ Zeitung.

Fiſchers Kunſttkonditorei. Von der Regſamkeit und Thätigkeit, die jezt ſo all⸗ gemein in der Verſchönerung und Erweite⸗ rung unſerer eleganten Kaufläden herrſchen, kann nur Der einen rechten Begriff haben,

der fleißig die faſbionablen Straßen Peſihs