Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
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dieſe zu Hemdk nöpfen ſaſſen zu laſſen. Oer Juwelier bringt ein Käſtchen mit koſt baren, ungefaßten Steinen und der Gentleman beginnt die Auswahl, welche lange währt, da je zwei und zwei der Steine immer noch nicht recht zuſammen paſſen wollen. Indeß erſcheint an dem Eingang des Ladens ein Bett⸗ ler. Der Juwelier, beſorgt für die Sicherheit ſeiner Waare, zögert an die Kaſſe zu gehen, um ein Almoſen daraus dem Armen hinzulangen.Laſ⸗ ſen Sie! ſagt der Gentleman, greift in die Weſtentaſche und legt dem Bett⸗ ler die Gabe in die hohle Hand, mit der dieſer in ſeinen Schnappſak fährt und verſchwindet. Der Gentleman fährt in der Auswahl fort. Endlich ſind die beiden Steine gefunden. Man handelt um den Preis, wird nicht einig; der Käufer verliert die Geduld und em⸗ pfiehlt ſich mit dürren Worten. Schon iſt er an der Ladenthür, da überzählt der Juwelier ſeine Steine, und ſiehe da! Einer fehlt. Der beſtürzte Kauf⸗ mann theilt den Gaſte ſeine befremd⸗ liche Entdekung mit. Dieſer, entrü⸗ ſtet, beſteht ſogleich auf Unterſuchung. Ein Polizei⸗Agent, der eben vorüber⸗ geht, wird dazu gerufen, und Sir Furbes trägt dieſem auf, in Gegen- wart des Juweliers ſeine Kleider zu durchſuchen. Er ſelbſt wirft Rok, We⸗ ſte von ſich, kehrt alle ſeine Taſchen um, und will ſich entkleiden bis auf's Hemd. Der arme Juwelier wird ſeiner Sache immer ungewiſſer, und iſt end⸗ lich froh, den Mann mit vieler Un⸗ terwürfigkeit dahin zu bringen, daß er ohne fernere Deklamation über ſeine angetaſtete Ehre den Laden verläß. Der gute aber kurzſichtige Juwelier würde jezt einen Eid geleiſtet haben, daß er ſich geirrt und dem Manne unrecht ge⸗ than habe, hätte ihm der Polizei⸗ Agent nicht die Augen geöffnet und auseinandergeſezt, daß der Gentleman

*

* und der Sa eine Gauner ⸗Kom⸗

pagnie ſei, und jener dieſem wahr⸗ ſcheinlich ſtatt eines Penny den eben zwiſchen den Fingern gehabten Stein in die Hand gedrükt habe, deſſen Er⸗ lös ſich Beide nun theilen würden. Der Dr. Clean hat ein Werk voll⸗ bracht, das wohl ſeines gleichen ſuchen möchte. Er hat mit dem Größten Fleiße das Feſt, welches Sir Nobert Peel zu Glasgow bei Gelegenheit ſeiner Re k⸗ tor⸗Wahl gab, mit den kleinſten Klei⸗ nigkeiten ſo beſchrieben, daß dies ruhm⸗ volle Werk einen ganzen Quart band füllte. Dr. Clean kann auf dieſe Weiſe ein berühmter Mann werden. In einem ärmlichen Gäßchen befindet ſich ein Aushängeſchild mit nachfolgender Inſchrift in großen Buchſtaben:St. Pankrazens Anſtalt für Kazen⸗ und Hundefleiſch. Eine ganz neue und ganz eigene Kunſtreiterei iſt neulich in England verſucht worden. Es mach⸗ te ſich in London ein junger Menſch anheiſchig, für eine angemeſſene Be⸗ lohnung vom Adelphitheater nach dem goldenen Kreuze ohne allen weitern Beiſtand auf einer rollenden Tonne zu gehen. Er ging ans Werk; und die Bedingung dabei war, daß er unter wegs nicht mehr als dreimal ſeinen höl⸗ zernen Bucephalus verlaſſen ſollte. D die Straße ſich ziemlich abwärts neig ſo rollte die Tonne ganz von ſelbſt; aber die Schwierigkeit für den Reiter beſtand darin, ſie nicht nur in der rech⸗ ten Richtung, ſondern ſich ſelbſt auch, während er im Fortrollen auf der Ton⸗ ne ſtand, im Gleichgewicht zu halten. Dies bewirkte er jedoch auf die über⸗ raſchendſte Weiſe durch eine äußerſt ſchnelle Bewegung der Füße, wie wenn er auf dem Rüken eines Pferdes ge⸗ tanzt hätte. Er gewann ſeinen Preis. Der Verkauf der prächtigen Stu terei Wilhelm W., über welche in der lezten Zeit ſo viel hin und her