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thaͤtige Noc urgabe, zu einem Speku⸗ lationszweig machen zu können. In der That haben wir nun nicht mehr bloße Bier- und Weinwirthe, ſondern nächſtens wird es auch Waſſerwirthe geben, wie man berelts auf einer Spei⸗ ſekarte lieſt:„Echtes friſches Schön⸗ brunnenwaſſer, 6 kr. die Vouteille.“ Buntes aus Paris. Vor dem Zucht poli ei⸗Gericht in Paris ſind neulich 24 1 wegen falſchen Ge⸗ wichtes verurtheilt worden, darunter mehrere, die binnen 3 Monaten ſchon 6 Mal ſtraffällig befunden worden. Ein Journal ſchlägt vor, ſtatt der unwirk⸗ ſamen Geldſtrafe und Ausſchreibung durch die Zeitungen, das Urtheil ei⸗ nen ganzen Tag lang an den geſchloſ⸗ ſeneu Laden des Schuldigen in großen Buchſtaben anzuheften, damit ſeine ganze Kundſchaft davon unterrichtet werde. Dem Häuſerbauen der Baker würde dann freilich etwas eingehalten werden.— Die mediziniſche Akademie zu Paris hat, um allen Streitigkei⸗ ten über die Kräfte des thieriſchen Magnetismus ein Ende zu machen, ei⸗ nen Preis von 3000 Fr. für Denjeni⸗ gen ausgeſezt, der im Stande ſei, im ſchlafenden oder wachenden Zuſtande in einem ganzen dunklen Raume zu leſen oder Gegenſtände zu erkennen.— Der Tod der Gräfin Kielmannsegge, Ge— mahlin des hannover'ſchen Geſandten in Papis, macht hier viel Aufſehen. Sie war die Tochter des Wiener Ban⸗ kiers Geymüller, eine der ſchönſten und geiſtreichſten Damen der größern Zirkel, und wurde nur la belle am- bassadrice genannt; in lezter Zeit aber welkte ſie ſichtbar dahin.— Kürzlich ſtarb Herr v. Cuſſy im 71. Jahre. Wer Paris kannte, kannte auch den Herrn von Cuſſy, den erſten Gutſchmeker ſei⸗ ner Zeit u. Nebenbuhler Brillat Sa⸗ barins. Er war der älteſte Sohn des Warquis von Cuſſy und Offizier als
bie Revolution ausbrach. Er wanderte aus, widmete ſich der ebeln Kochk unſt und erforſchte die Küchen von England, Deutſchland, Italien und ſelbſt Ruß⸗ land. Obgleich Franzoſe, erkannte er doch die Verdiente eines Roaſtbeef an. Als Bonaparte Kaiſer wurbe, kehrte Cuſſy zurük und erhielt zwar nicht ſein Gut und ſein Marquiſat, von Napoleon aber den Kammerherrnſchlüſ⸗ ſel und den Titel Baron. Cuſſy be⸗ wunderte den großen Krieger, prote⸗ ſtirte aber immer gegen deſſen Mangel an Geſchmak. Was den Gaumen anbe⸗ langt; ſo war Napoleon nach Cuſſy's Meinung nie über den Souslieutenant geſtiegen. Die Reſtauration konnte es dem Marquis nicht vergeben, daß er den Titel Baron angenommen, und ſelbſt Ludwig XVIII.„der ſeine Wiſ⸗ ſenſchaft achtete, konnte die Vorur⸗ theile ſeiner Umgebungen nicht ſo weit beſiegen, um Cuſſy, wie er wünſchte, über die königliche Küche zu ſezen. Dieſer fand indeß einen Plaz für ſich, der ſo einträglich und ſeinen Neigun⸗ gen ſo angemeſſen war als eine Kam⸗ merherrnſtelle; er wurde Kontrolleur der Viehmärkte zu Poiſſy und Sceaux, ſo daß kein fetter Ochſe für die Haupt⸗ ſtadt ohne ſein Vorwiſſen und ſeine Aufſicht verkauft werden konnte. Er ſtand noch früh genug auf, um in ſein Kabriolet zu ſteigen u. auf den Vieh⸗ markt zu fahren. Sein Frühſtük war berühmt. Darauf kam p. Cuſſy nach Paris und ſezte ſich ſtets dort an den Tiſch, auf welchem das beſte Mittags⸗ mahl ſtand. Woher er dies er fuhr und wie er ausmittelte, war für Jedermann ein Räthſel; gewiß iſt, da wo Je— mand ein ausgezeichnetes Diner gab, v. Cuſſy erſchien. Nach dem Diner be⸗ gab er ſich in irgend eine Soiree und dann in den Klub, wo er gewöhnlich zuſah und nur ſelten das Glük ſelbſt verſuchte, bis das Tageslicht zu er⸗


