Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
701
 
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Halskragen zu Tags gefördert; die Lyoner Fabrikanten derllebten ſich in die im Staube vermoderten Vorhänge alter Schlöſſer, übten ſich an den Lehnen alter wurmſtichiger Stühle und ſchufen ſo recht con amore die Zeuge à la Pompadour, à la Montespan, à la Sevignd. Die Nähterinen drapirten Tall len mit ſtarken Falten und machten ſie dadurch ſchlank; die Juwelierkunſt ſo gar warf ihre leichte Arbeit in den Schmelztiegel und befliß ſich eifrig der Nachahmung ſchwerer Kleinodien, dergleichen man am Hofe Ludwig XIV. zu ſehen gewohnt war. Dieſe Revolution iſt bereits abgeſchloſſen, nur der Hut iſt noch zurükgeblieben, gleich einem Prätendenten, der nie abdankt.

Nationalelgenthümlichkeiten der Engländer und Franzoſen.

Der Engländer iſt ſtolz, der Franzoſe eitel. Der Franzoſe ſagt mehr als er denkt, der Engländer denkt mehr als er ſagt. Der Franzoſe iſt ein vor⸗ trefflicher Bekannter, der Engländer ein guter Freund. Der Franzoſe iſt un⸗ ternehmend, der Engländer unermüdlich und ausdauernd. Der Franzofe hat mehr Wiz, der Engländer mehr Urtheilskraft. Beide ſind tapfer, aber der Engländer kämpft kaltblütig, der Franzoſe hizig. Der Leztere greift Alles an, der Erſtere läßt ſich von nichts zurüktreiben. Der Engländer ſcheint im Geſpräche eine Reiſe zu machen, der Franzoſe dagegen einen Spaziergang. Ein Geſpräch mit dem Einen iſt belehrender, mit dem Andern unterhaltender. Wenn ein Engländer etwas koſtet, ſo ſagt er, es hat einen angenehmen Ge ſchmak, der Franzoſe dagegen beſchreibt jede Empfindung, die er im Munde und der Kehle hat, von der Zungenſpize an bis in den Magen hinunter und weiß zu Allem einen Vergleich und ein Bild. Ein Engländer muß einen gro ßen Vorrath von Gabeln und Meſſern haben, um dieſelben mit jedem Teller wechſeln zu können; ein Franzoſe braucht dagegen nur ein Paar, ißt damit zehnerlei Speiſen, benuzt das Meſſer auch noch als Salzlöffelchen de. Ein Engländer muß in ſeinem Hauſe zwei Zimmer haben; der Franzoſe kommt ſehr wohl mit einem aus, ißt darin, empfängt Beſuche da und ſchläft am Ende auch darin. Ein verheiratheter Engländer braucht dagegen nur ein Bett, während ein Franzoſe durchaus zwei haben muß. Im Allgemeinen iſt der Eng länder geneigt, ſich dem Geſeze zu fügen, aber der Militärmacht ſich zu wi⸗ derſezen; das Gegentheil gilt von dem Franzoſen.

n Zu einem Tagwerker, der damit beſchäftigt war, eine auf der Straße

abgeladene Klafter Holz in das Haus zu tragen, trat der Nachbar und fragte: Wie hoch kommt das Holz?Drei Stok hoch! antwortete der Gefragte.

Vorſchrlͤft. Zwei Leute ſtritten ſich:Ich habe mir nie, rief der Eine,etwas vorſchreiben laſſen.Ei, verſezte der Andere,da haſt du deinem Schreibmeiſter viel Noth gemacht.