* 682 5 enge Fenſter, zog mit der andern bas Huhn aus der Taſche und praͤſentirte meinen Schaz. Was ſie da Augen machte! ganz wie Hamlet, da ihm der Geiſt ſeines Vaters erſcheint, und doch wieder anders, denn mein Huhn war von Fleiſch und Bein. g
„Sennorita,“ ſagte ich, raſch den Vortheil benuzend, den ich augen⸗ bliklich erlangt hatte,„dieſes Stük Geflügel mag Ihnen ein Beweis meiner innigen Theilnahme ſein. Ich habe erfahren, daß auch Sie unter der Geißel leiden, welche dieſe Stadt heimgeſucht; ich laufe zwar Gefahr, meine Ehre und die Flotte Sr. großbritanniſchen Majeſtät zu kompromittiren, indem ich von den Nahrungsmitteln, die ausſchlieſlich für unſere Mannſchaft beſtimmt ſind, etwas nach Porto einbringe, ich konnte aber dem Verlangen nicht wider— ſtehen, Ihnen dieſes Huhn anzubieten, welches ich hiemit zu Ihren Füßen niederlege.“
Die Sennorita ſagt nichts; der Stolz lag bet ihr im Kampfe mit dem Hunger; aber am Ende trug die Natur den Sieg davon.„Senhor,“ ſagte ſie jezt,„ich nehme Ihr Geſchenk mit dem verbindlichſten Danke an und bin ſehr gerührt von Ihrer Theilnahme. Gott behüte Sie, Senhor 5 es wird nachgerade ſpät, und am Ende kommen Sie vor Nacht nicht mehr an Vord zurük.“ Dies geſagt, ſchloß ſie den Schalter, und ich blieb allein auf der Straße ſprachlos vor Erſtaunen, außer mir vor Entzüken und voll Stolz auf das von mir erfundene neue, geniale Mittel der Liebe den Weg zu bahnen. Ich wartete noch einige Zeit, in der Hoffnung, daß ſich der Schalter noch ein— mal öffnen werde; aber Karoline wahr wohl zu viel mit meinem Geſchenke be— ſchäftigt, als daß ſie Zeit gefunden hätte, mir noch einmal Lebewohl zu ſa⸗ gen; und ich zog ab, voll Jubel über den Erfolg meiner Kriegsliſt.
Begreiflich hielt ich mein ueues Elixir d'amour auf's Sorgfältigſte ge⸗ heim; ich wagte ſogar vor Verfluß von zwei, drei Tagen keinen zweiten Ver⸗ ſuch. Nichtsdeſtoweniger fuhr ich fort, die Wohnung Karolinens ſorgfältig zu bewachen; ich wollte wiſſen, wie meine Nebenbuhler aufgenommen wurden. Zu meiner unausſprechlichen Befriedigung ſah ich, wie einem nach dem andern der Eintritt in's Haus verweigert wurde.„Sie hält ſich an die Knochen meines Huhns“ dachte ich bei mir ſelbſt;„das iſt etwas Reelleres, als ihr leeres Geſchwäz; jezt gilt es, ihre Zuneigung vollends zu gewinnen.“ Ich paßte daher die Gelegenheit ab, und als es mir bei der nächſten Austheilung gelun— gen war, eine Ente zu beſeitigen, flog ich fort auf den Flügeln der Liebe, um meinen Schaz zu ihren Füßen niederzulegen. Kaum hatte meine zitternde Hand die Gloke angezogen, kaum hatte ich meinen Namen ausgeſprochen, als auch ſchon die Schritte der Heißgellebten ſich nahten, und nicht lange, ſo ging der Schalter auf.
Um die Holde keinen Augenblik in Zweifel zu laſſen, zog ich ſogleich meine Opfergabe hervor und fächelte damit vor ihren Augen hin und her, wie eine Amme, welche mit ihrem Kleinen ſpielt. Karoline warf mir ihr ſüße⸗ ſtes Lächeln zu, und als die Gabe in ihren Händen war, überhäufte ſie mich mit ſo viel zierlichen Dankſagungen, daß ich förmlich den Verſtand verlor, mitten auf der Straße ein Knie zur Erde beugte und heilige Schwüre ewiger Liebe und Treue an ſie richtete. Von dieſem Augenblike an betrachtete ich meinen Sieg als gewiß. Unmöglich konnte Karoline der lautern Sprache des


