Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
683
 
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Herzens und den zarten Proben meiner Ergebenheit widerſtehen. Zwar verwei⸗ gerte ſie mir noch den Eintritt in's Haus, aber ſie verſprach mir, ihre Tante zu befragen, ob ſie wohl meine Beſuche annehmen dürfe, und habe die kluge Matrone nichts dagegen, ſo werde ſie ihres Theils ſich glüklich ſchäzen, näher mit mir bekannt zu werden. Ich bat inſtändig, mich auf dieſes Glük nicht zu lange harren zu laſſen, und ſezte nächſtkommenden Donnerſtag als den Tag feſt, wo ich vor der furchtbaren Tante erſcheinen wollte. Ich brachte die ganze Nacht ſchlaflos zu, allein mit dem Gedanken beſchäftigt, was ich der alten Dame darbringen könnte. Endlich beſchloß ich, mir eine Hammelskeule zu zu⸗ eignen, welche in der Speiſekammer unſeres Küchenmeiſters hing, und um Plaz für dieſelbe zu gewinnen, praktizirte ich ein Loch unten in die Taſche; der Stozen wurde durchgeſchoben und der Umfang des Bugs hinderte das Durch⸗ fallen: ſo aufgeſtaut machte ich mich auf den Weg nach Oporto.

Zum Unglük hielt eine Bande jener hungrigen, umherſtreifenden Hunde, von denen es in allen portugieſiſchen Städten wimmelt, gerade an dem Orte, wo ich landete, ihre Rathsverſammlung. Einer hatte bald die Beſchaffenheit meines Gepäks ausgewittert, gab der übrigen Bande das Signal und in ei nem Augenblik waren ſie alle hinter mir her, winſelnd, bellend, ſchnappend und mit den Mäulern ſo nahe als möglich an meinen Hintertaſchen. Gerne hätte ich mich gebükt, um Steine aufzuraffen und unter ſie zu ſchleudern das einzige Mittel, einen portugieſiſchen Hund los zu werden; aber ich wagte nicht, die ſenkrechte Stellung aufzugeben, weil ich beim Büken meine Ladung bloßſtellen mußte. Ich ergab mich daher in Geduld und machte hier und da Front gegen meine Begleiter, wenn ſie ſich gar zu unverſchämt heran wagten.

Karoline und ihre Tante waren am Fenſter, wahrſcheinlich in Erwar- tung meiner Ankunft und verſenkt in das trübſelige Angedenken eines Mit⸗ tageſſens, deſſen einziger ſolider Beſtandtheil Stokfiſch geweſen war. Ohne Zweifel rechneten ſie, Dank meiner Vorſorge, auf ein beſſeres Nachteſſen, aber als ſie mich um die Straßeneke biegen ſahen, von zwei, drei Duzend Hunden verfolgt, die ein Höllenlärm voraus ankündigte, brachen ſie in ein lautes, unauslöſchliches Gelächter aus. Im nämlichen Augenblik zog ein Trupp Dan⸗ dys an Karolinens Fenſter vorüber, ſich ſpreizend und zierend in der Hoff nung, einen gnädigen Blik der Schönen zu erhaſchen; das fehlte vollends, um mir den Garaus zu machen. Denn als ſie das laute Lachen hörten, ſahen ſie ſich nach der Veranlaſſung deſſelben um, und man kann ſich denken, wie ſie ſich auf meine Koſten luſtig machten, als ſie mich an der Spize einer ſol⸗ chen Muſik bande erblikten, vor der ich ſo gravitätiſch einherſchritt, wie ein Tambourmajor vor der Fronte ſeines Regiments..

Was meine Lage noch ſchwieriger machte, war, daß ich mich nicht unter⸗ ſtand, bei Karolinen einzutreten, aus Furcht, ſie zu kompromittiren, und ſo hatte ich den bittern Verdruß, an ihrer Thüre vorübergehen und einen lan⸗ gen Umweg machen zu müſſen, um der Unverſchämtheit der Stuzer zu ent ge⸗ hen, die mich und meinen unbarmherzigen Schweif mit Spott und Gelächter verfolgten. Wie gerne hätte ich den Degen gezogen und die ganze Bande nicht die Hunde, ſondern die Stuzer herausgefordert! und wäre mir auch keine Waffe zu Gebot geſtanden als meine Hammelskeule, mit welchem Ver⸗ gnügen hätte ich ein Paar jener lächerlichen Burſche zu Boden geſchlagen!