Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
679
 
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rer in hohem Grade rege machte. Zu dem kam noch der Adel und die Gra zie ihrer junoniſchen Geſtalt; der aus erleſene Geſchmak und die Pracht ih res überreichen Anzuges, was dem Gan zen ihrer Erſcheinung einen pompöſen Ausdruk gab. Das Publikum war über die Maſſen enthuſiasmirt u. drük⸗ te ſeinen großen Beifall durch mehr maliges Hervorrufſen aus. Herr Oberhoffer führte den ſchwierigen und nicht ſehr dankbaren Part des Macbeth ſiegreich durch und ſang beſonders die köſtliche große Arie des zweiten Aktes, ſo wie ſeinen Theil des Duettes mit Virtuoſität. Er ward mehrere Mal mit Oem. Carl gerufen. Ganz vorzüg lich war auch unſere talentvolle Dem. Rauch(Moina), die wunderlieblich ih re ſchöne melodienreiche Arie des zwei⸗ ten Aktes ſang. Sie erhielt ungemei nen Applaus; jedoch ſcheint der ihr geworfene Kranz, ſie, nicht mit Un recht, in beſcheidene Verlegenheit ge bracht zu haben. Trefflich war Hr. Stoll als Douglas, ſo wie Hr. Rötzer als Macduff alle Anerkennung verdien te und reichlich erhielt. Orcheſter u. Chöre waren eminent und ſowohl Herr Kapellmeiſter Grill als Hr. Chor-Di⸗ rektor u. Profeſſor Schwarzbök erwar ben ſich hohe Verdienſte um dieſe Oper, dem Erſtern gereicht noch ſeine Wahl zur höchſten Ehre. Was die äußere Ausſtattung betrifft, ſo prangte ſie in ſchönſter Pracht und ſplendideſtem Lu⸗ xus. Die Dekorationen waren herrlich. Der Wald im erſten Akte gehört zu den Meiſterwerken unſeres berühmten Dekorateurs Hrn. Neefe. Die Grup⸗ pirung der Bäume, die Zeichnung des Laubwerkes, das herrliche Perſpektive, der Geſchmak in der Farbenpracht wa ren von grandioſer Wirkung. Auch der rothe Saal des zweiten Aktes machte einen effektvollen Eindruk. Hr. Neefe ward mehrere Mal rauſchend gerufen.

Mit ihm auch Hr. Direkt. Schmled. Der gothiſche Saal des vierten Aktes von Hrn. Dolliner in Wien iſt eben falls ein Kunſtwerk architektoniſcher Theatermalerei, und gefiel ungemein. Herr Dolliner ward gerufen, aber in deſſen Abweſenheit erſchien Hr. Regiſ ſeur Rott und dankte in ſeinem Na men. Die Garderobe des Herrn Krommer war eben ſo richtig als glän zend und effektvoll. Der Waffentanz des Herrn Balletmeiſters Koloſanzky war ſinnig erdacht u. gut ausgeführt. Die Komparſen waren belebt und wirk ſam. So exekutirt und ſo ausge ſtattet muß ſich auch ein minder werth volles Werk halten, um wie viel mehr eine gelungene Arbeit wie die Oper Macbeth von Chelard.

Vorgeſtern, am 25. d. M., ward die Oper bei ziemlich vollem Hauſe wie⸗ derholt.

Dresden. Die Schröder-Devrient (mit oder ohne Stimme, wird ſich zeigen!) iſt den 5. d. M. wieder in Dresden eingetroffen und im Hotel de Saxe abgeſtiegen; unſer Theater-Kaſ⸗ ſierer ſchließt aus dieſem lezten Um ſtand: daß es hinſichtlich der Stimme der gefeierten Sängerin nach gut ſte⸗ hen müſſe, denn:politiſch iſt die Schröder-Debrient nicht und das Ho⸗ tel de Saxe iſt das theuerſte Hotel in Dresden(eine Taſſe Kaffe koſtet dort, beiläufig geſagt, 6 Gr., während ſie in den andern Hotels nur einen Gro ſchen koſtet). Am 6. d. M. führten die franzöſiſchen Schauſpieler denGa- min de Paris auf. Ueber das Ganze erlaube ich mir kein Urtheil, denn, ehrlich geſagt, mir ging es wie den meiſten Dresdener, ich verſtand von dem Dialoge kein Wort; was aber die äußere Erſcheinung des franzöſiſchen Taugenichts betraf, ſo muß ich unſerm deutſchen(Doris Devrient) unbedingt