Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
674
 
Einzelbild herunterladen

674

von Louls, ſein Schwager, und gleich ihm von ſeiner ſchoͤnen Ehe haͤlfte ge⸗ trennt, immer auf dem Anſtand. Der Marquis iſt einer der ſchönſten Män⸗ ner in Europa, aber, unter uns geſagt, ſchwerlich laßt ſich ein unbedeuten deres Geſicht finden. Er nimmt alle Herzen beim erſten Anblik ein, aber er verliert ſeine Eroberungen ſo ſchnell wieder als er ſie gemacht hat. Dann war da noch der Marquis von Villaflor und einige andere militäriſche Celebritä ten, gar nicht zu ſprechen von den Generalen und Staabsoffizieren der Armee, von den glänzenden und unternehmenden Offizieren der engliſch- franzöſiſchen Legion, von den Kapitänen und Lieutenants unſerer eigenen Eskadre.

Während der Belagerung kam dem Befehlshaber unſeres Geſchwaders der Gedanke, einen Signalpoſten aufzuſtellen, und durch denſelben mit den engli- ſchen Schiffen außerhalb der Sandbank vor dem Hafen zu kommunlziren. Da man auf der Pedriſtiſchen Seite des Fluſſes keinen geeigneten Plaz dazu aus, finden konnte, ſo erſuchte man den General Santa Martha, den Befehls haber der Migueliſten um Erlaubniß, auf dem linken Ufer, welches er beherrſchte, den Poſten aufſtellen zu dürfen. Dies wurde großmüthig bewilligt; man ing auf der Stelle an's Werk, und in wenig Tagen war ein großes, ſönes. 0 aufgeſchlagen zum Quartier für Offiziere und Mannſchaft. Ich und ein Lieu tenant von der Flotte bekamen daſelbſt den Dienſt, und, wir hatten uns bald vortrefflich eingerichtet. Wir konnten nach Belieben zu den Migueliſten ſpazieren oder nach Porto, ſo oft wir Urlaub hatten. Nicht lange nachdem wir unſern Poſten bezogen, fingen die von den Migueliſten an der Mündung des Fluſſes errichteten Batterien an ihre Wirkſamkett zu äußern; bald waren die Zugaͤnge ſo gänzlich verſchloſſen, daß es nicht allein unmöglich wurde, die gewöhnlichen Kriegsbedürfniſſe nach Oporto einzuführen, ſondern daß man ſelbſt eine Hungersnoth befürchten mußte. Man hatte wohl Barcal ho(geſalzenen Stokfiſch) und Wein im Ueberfluß, aber der beſte Magen hält ſolches Einer lei nicht aus, und ich kann verſichern, daß geſalzener Fiſch zum Frühſtük, Mittageſſen und Abendbrod weder für die Offiziere noch für die Mannſchaft ein ſehr angenehmer Speiſezettel war. Unſer Befehlshaber, weiſe, wie in dieſem Punkte der engliſche Offizier zu ſein pflegt, hatte dieſe ſchlimme Wendung vorausgeſehen und ſich daher mit dem Migueliſtiſchen Befehls haber dahin ver⸗ ſtändigt, daß man ehm friſchen Mundvorrath, Fleiſch, Geflügel, Gemüſe für den Bedarf ſeiner Flotte zukommen ließ, hatte jedoch das feierliche Verſpre⸗ chen gegeben, den Belagerten nichts zukommen zu laſſen. Die Flotte lebte daher herrlich und in Freuden, während die Beſazung halb verhungerte, und wenn wir ſo ſelbſtvergnügt mit unſern friſchen Vollmondsgeſichtern, die wir der Vorſicht unſeres Befehlshabers verdankten, durch die Straßen zogen, ſo ſtachen wir ge waltig gegen die Krieger ab, welche zu Ehren der Charte am Hungertuche nag⸗ ten. Bald fingen auch die Einwohner an, gleiche Noth zu leiden, und einigen der bewundertſten Schönheiten ſah man es nachgerade ſtark an. Vortwein und ge⸗ ſalzener Stokſiſch konnten unmöglich ein ſehr reines und leichtes Geblüte machen. Es entging mir auch nicht, daß die Damen von Porto ſich mit viel mehr Sorg⸗ falt in ihre Schleier hüllten als zu Anfang der Belagerung. In jenen Tagen entwarf ich den kühnen, verwegenen Plan, den ich hier erzählen will, und der allen Univerſitäten ein für allemal beweiſen wird, daß ſich kein Abenteurer mit einem Marineſoldaten zu meſſen vermag.