Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
658
 
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Ich hörte auf, das Maltheſer⸗Kreuz zu tragen und wurde der Marquis von Vatry, aber meine lantage zu Martinique, meine Zukermühlen, meine Sklaven, alles dieſes bereicherte mich nicht ſehr; die Buſchneger zerſtörten Alles und gegenwärtig würde mehr Vermögen, als ich beſize, dazu gehören, dieſe unbebauten Ländereien wieder in Stand zu ſezen.

Mit zwanzig Jahren kam ich indeß mit einer Liebe zu einer eben ſo adeligen und jungen Languedockerin, wie ich ſie im Herzen trug, nach Paris. Ich trat als Kadet in ein Regiment und verließ mich auf das Glük. Es be fand ſich damals eine galante Frau in Paris, welche Aufſehen machte; es war eine Negerin, es war Ifabelle. Das Außergewöhnliche in ihrer Perſon übte ſchon großen Reiz aus: man mußte aber auch geſtehen, daß ſie eine voll kommene Schönheit war. Denken Sie ſich langes ſchwarzes Seidenhaar, womit ſie wie man ſagte, ganz bedeken könne, ein völlig ovales Geſicht, eine . dünne reizende Lippen und ſo vollkommene Formen, wie ſie

rapiteles vergebens von ganz Griechenland verlangt haben würde; ſie trug

nen von den Zügen der Töchter Ham's an ſich. Ihre ſchwarze Haut war ſo glänzend wie Ebenholz, go ſanft und ſeidenartig wie Sammt; ſie kam aus England und man gab ſie für ſo reich aus wie die Königin von Saba. Ihr Lupus war ungeheuer, ihre Equipagen prächtig, ihre Dienerſchaft zahlreich; dieſer Frau wurde die Neuigkeit des Tages; man erzählte ſich ihre Begeben⸗ heiten, und ich kann nicht zweifeln, daß meine unglüklichen Brüder die erſten Opfer ihrer Schönheit waren. Wie ich Ihnen ſagte, ein Prinz, der damals um einen Grad vom Throne entfernter ſtand als gegenwärtig, war einer ihrer Anbeter.(Der Marquis de Vatry ſpricht von 1820, zur Zeit der Regierung Ludwig XVIII.)

Eines Abends war ich im Parterre der Comédie-Frangaise; ſie kam da⸗ hin und brachte ihre gewöhnliche Wirkung hervor; ihr ſchlanker Wuchs, ihre noch ſchimmernderen Augen als die Diamantaigrette auf ihrem weißen Mouſſe⸗ linturban, alles dieſes bot eine ſo ſeltſame Miſchung von Jugend, von neuen Schönheiten, von vollendeten Formen dar, daß die am meiſten gegen ſie Ein⸗ genommenen wider Willen ſich dem Zauber hingaben, den Iſabelle überall her⸗ vorbrachte.

Sie iſt dennoch meine Sklavin! dachte ich; denn ſie war mir ja zuſtaͤn⸗ dig, ſie gehörte mir, und hatte ihre Freiheit nur durch eine Flucht erlangt, welche das Geſez damals der entflohenen Sklavin nicht zugeſtand. Ihre im Saale herumſtreifenden Augen fielen endlich auf mich und hafteten beharrlich feſt. Aus der Dauer ihres Blikes begriff ich, daß ihr meine Aehnlichkeit mit Proſper de Vatry aufgefallen war und daß ſie mich erkannt hatte. Ich ürrte mich nicht. Als ich das Theater verließ, folgte man mir, an einer ein⸗ ſamen Straßeneke wurde ich von vier Männern entführt, in einen Wagen ge⸗ worfen und in das Hotel gebracht, das ſie bewohnte. Ich befand mich in ih⸗ rem Boudoir, ehe ich noch Zeit gehabt hatte mich zu faſſen. Sobald ſie mich ſah, kam ſie mir entgegen.

Höre, ſagte ſie zu mir, Alles hier iſt dein, du ſollſt das ſchönſte Zim⸗ mer bewohnen, über Alles verfügen; ich bin dein, ich gehöre dir zu, ich bin deine Sklavin... Willſt du, daß wir beide nach Martinique zurükkehren? Willſt du mir auf der Plantage meine Negerhütte wiedergeben? Sie zog mich