659
zu ſich hin; ich war ihre erſte Llebe; ich war für ſie jener Proſper, der zu einem erſten Rendezvous zu ihr kam und auf ihrer Schwelle ermordet wurde; ſie hatte ſo eine, von einem unglüklichen Bruder ihr eingeflößte Liebe auf mich übertragen und mit dem ihrem Blute natürlichen Feuer verlangte ſie von mir nur meine Einwilligung, um die Wahnbilder, die ſie ſich machte, zu ver— wirklichen, und ſo ſich wieder in ihre erſte Jugend zu verſezen. Ich ſtand indeſſen bewegungslos vor ihr, ohne ſie begreifen zu können, ohne die ſchau— derhafte Verbindung des mir Gebotenen mit der fürchterlichen Kataſtrophe, an welche ich durch die glänzende Schwärze ihrer Haut, durch die Worte Plantage und Negerhütte erinnert wurde, vereinen zu können; ſie bewegte ſich in hef⸗ tiger Gemüthsaufregung um mich her, und indem ſie an einen offenen Sekre⸗ tair trat, nahm ſie meinen Hut und warf alle ihre Schäze, ihre Rubinen, ihre Diamanten, ihre langen Perlenhalsbänder hinein; der grobe Hut eines armen Kadeten hat vielleicht mehr Reichthümer enthalten, als Ludwig XV. an die Dubarry verſchwendete. Ich nahm den Hut und ſchüttete dieſes ganze glän— zende Vermögen auf den Fußboden.
Nun! ſagte ſie, was machſt du?
Iſabelle, ſagte ich, laſſen wir das; Sie ſind frei, und ſtatt aller Be— weiſe will ich mich mit der Kekheit begnügen, die ſie hatten, mich zu entführen; was Ihren Vorſchlag betrifft, ſo mäſſen Sie einſehen, daß ich ihn eben ſo we— nig annehmen kann, als dieſe Reichthümer jemals meine Hände befleken werden.
Ich will Ihnen die Wuth dieſer Frau nicht ſchildern, fuhr der alte Mar— quis fort, ich will Ihnen nicht von der Art von Raſerei ſagen, die ſie über⸗ ſtel, noch von dem Kampf, den ich zu beſtehen hatte; der mit Edelſteinen he— dekte Fußboden mit ihren Trümmern beſtreut: unwiſſend und roh, begriff Iſſabelle weder meine Abneigung, noch mein Zartgefühl. Die Thüre des Bou⸗ doirs ging auf, und der Herzog von B.... kam plözlich herein; der offen⸗ ſtehende Sekretair, die überall um mich her liegenden Schäze Golconda's, Iſa—⸗ belle keuchend wie eine Löwin, das Alles fiel dem Herzog auf, der, mit Recht, gerade zu rechter Zeit gekommen zu ſein glaubte, um eine Szene von Gewalt— that und Diebſtahl zu hindern; er legte die Hand an den Degen und rief!— Ah! ein Dieb!
O nicht doch! ſagte Iſabelle, unfähig ſich zu verſtellen. Ich war jung, wohlgewachſen und hatte ein Geſicht, das im Stande war, eine weniger ge—⸗ fühlloſe Frau, als die Negerin in Verſuchung zu führen; der Herzog begriff ohne Mühe einen Theil der Wahrheit und ich benuzte ſeinen neuen Verdacht, um das Boudoir zu verlaſſen, ganz in Gedanken verſunken über die heftige Liebe dieſer Frau und in der blutigen Erinnerung meiner Brüder. Den an— dern Tag erhielt ich ein Paket, welches eine ungeheure Summe in engliſchen Banknoten enthielt; ich trug einem meiner Freunde auf, zu Iſabellen zu ge—⸗ hen, und ihr die Reichthümer, die ſie mir ſo zu Füßen warf, wieder zuzu⸗ ſtellen, indem ich ihr erklären ließ, daß dieſelben aus einer ſo unlautern Quelle flößen, daß ein Mann von feiner Lebensart unter keinem Vorwande daraus ſchöpfen könne; er fand ſie krank, in Fieberhize, ſterbend, und ohne den Muth zu haben, ſich ſeines Auftrages ganz zu entledigen, begnügte er ſich nur, ihr ihre Tauſende von Pfund Sterling zurükzugeben.
Ich erwartete es, ſagte ſie.(Veſchluß folgt.)


