Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
641
 
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Kunst, Eleganz und Mode.

Vebuter Habrg ν.

S1. Mittwoch, 11. Oktob. 18327.

Franzöſiſche Moden und Gebräuche im Jahr 1788.

(Beſchluß.)

Die Verwandten, Freunde, Ehemänner, Diener und vielleicht auch einige Anbeter verfehlen nun nicht, dieſem Hauſe zuzuſtrömen, deſſen Thüren alle weit geöffnet waren und wo alle dieſe Menſchen ſich in einem wahren Gewühl zuſammendrängten. Man ſpielte die Nächte durch in dieſen langen Schlafſä⸗ len, wo die ſchönſten und vornehmſten Damen auf Mantelſäken und Koffers und zuſammengerollten Teppichen, ja ſelbſt auf Nachtſtühlen ſaßen, über die man die zizzenen Fähnchen, die ſie ihre Kleider nannten, gebreitet hatte. So etwas Einfaches und Natürliches hatte man bis dahin noch nie geſe hen! Es wurde ſtrenge darauf gehalten, daß Niemand laut ſprach, ſon⸗ dern Alle nur leiſe mit einander flüſterten; dies war aber nur Luxus der Auf merkſamkeit für die Kranke, denn die Gallerie war durch die 5 bis 6 große Zimmer von dem Zimmer getrennt, in dem ſie lag und obendrein auch noch durch den Speiſeſaal, in dem man immer Leute fand, die ſich da an kleinen Tiſchen erlabten, und das ſo ſtill und traulich⸗heimlich als möglich. Man prach in dieſem Saal nur mit leiſer Stimme und ſo wenige als möglich; dieſe Etikette war nun einmal feſtgeſezt und während der gemeinſchaftlichen Mahl⸗ zeiten las das Geſellſchaftsfräulein der Frau von Teſſé der Geſellſchaft aus irgend einem moraliſchen und rührenden Roman laut vor. Die Auserwählten in dieſem Kreiſe wurden in das Krankenzimmer eingelaſſen, um dort Lotto zu ſpielen.

Frau von Caſtellane fragte mich eines Tages, ob ich nicht auch oft zur Frau von Mauconſeil gehe. Alle acht Tage einmal, antwortete ich; ich kenne ſiee wenig und habe mich nun einmal muthig auf alle möglichen Folgen ihrer Krankheit gefaßt gemacht. Meine Gleichgiltigkeit erregte großes Erſtaunen und Frau von Lewis wandte ſich zu Herrn von Laval und ſagte ihm, er gehe doch gewiß jeden Abend hin, um dort ſeine Partle Reverſis zu ſpielen.