Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
640
 
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Der Modenkourier.

(Paris, 24. Sept. 1837.)

Die Mode kommt, die Mode geht, Die Mode weillet und beſteht.

1. In allen Modemagazinen geht es jezt recht umwälzend her; allenthalben werden Vorbereitungen gemacht. Die Mouſſeline, Or⸗ gandies, Jakonnets überlaſſen ihre Stellen den Seidenzeugen, den Damaſt's, den Sam⸗ meten. Man bereitet mehr als je Sammet⸗ blumen, Weidenfedern, Trauer⸗Marabouts, gefärbte, gemalte und geſprenkelte Paradies⸗

vögel, brochirte Atlasbänder u. ſ. w. vor.

Die Damen von gutem Geſchmak bemühen ſich, das Enſemble ibrer Toiletten ſo ein⸗ fach als möglich zu machen und es iſt wahr⸗ ſcheinlich, daß dieſe bemerkenswerthe Sim⸗ plizität bei den Stadtmoden dieſes Winters vorherrſchend ſein wird. Wenn aber allem An⸗ ſcheine nach, die Stadtmoden recht einfach ſein werden, ſo werden die Ball- und Soi⸗ reenanzüge unſtreitig überſchwänglich reich an Luxus ſein. Man ſtikt dazu die reichſten Atlaſſe und die geſchmeidigſten Sammete mit Gold und Silber.

2. Die modernen Hutſchirme ſind rund und ſehr lang an den Wangen. Die Bind⸗ bänder der Hüte ſind unter dem Schirm an⸗ gebracht, oder gehen auch in der Hohe der Ohren über denſelben.

3. Man verwendet ſchon ſtark Atlas zu Hüten, aber die ſie zierenden Blumen haben noch nicht den winterlichen Charakter. Wir bemerkten Hüte von ſtrohgelbem Atlas mit ſtrohgelb und weißgebundenen Trauer-Mar a⸗ bouts geziert. unter dem Schirm war eine Guirlande kleiner Zaunroſen. Ein ſehr ſcho ner lichtgrüner Atlashut war mit einem ſchwarz und grün gefärbten Vogel geziert.

4. Gros de Naples-Hüte ſind auch ſehr en vogue. Immer ſind dabei die Ruchen am Rand des Schirms unerläßlich; manchmal gibt man ſogar noch eine zweite auf die Hohe der Form. Wir finden dies zwar nicht ſehr grazios, aber es iſt einmal Mode.

5. Es iſt entſchieden, daß die Hüte die⸗ ſen Winter viel kleiner ſein werden, als ſie

eb im verfloſſenen Sommer waren. Pluche, flacher oder geköperter Sammet werden ſich in den Ruhm theilen, unſere Damen zu koe⸗ füren.

6. Man kann für gewiß annehmen, daß das Reich der flachen Aermel ſeinem Ende nahe iſt. Die am meiſten angenommene Form wird der manche batelitre(Schiffetinen · Aer · mel) ſein. Aber dieſe Aufhebung der flachen Aermel wird ſich nicht bis auf die kurzen Aer⸗ mel der Balltleider erſtreken, von denen viele flach bleiben werden, d. h. das Gerippe des Aermels; denn man wird ſie mit einem ſolchen Schwall von Falben, Ruchen, Bauſchen und Bandſchleifen überladen, daß ſie eben ſo vo⸗ luminös wie die größten Bauſchärmel aus fal len werden.

7. Die Röke fahren fort lang und weit zu ſein und wir gewahren mit Vergnügen 5 daß jene ſich bereits gezeigte, ſo geſchmakloſe Mode, Röke zu tragen, die rükwärts kürzer als vorne find, vom Schauplaze gänzlich ver⸗ ſchwunden iſt.

8. Gedrukte Merinos werden dieſen Win⸗ ter ſtark in der Mode ſein.

9. Seit einigen Tagen bemerkten wir Shawls von grünem oder violettem Atlas mit hohen ſchwarzen Spizen garnirt. Wir wiſſen noch nicht, ob es Kaprice oder Mode iſt; wahr aber iſt es, daß ſie auf einem Kleide mit leichten Deſſains auf lichtem Grun⸗ de einen reichen Effekt hervorbringen.

10. Atlas und Sammet mit Hermelin oder anderm Pelzwerk ausgeſchlagen ſind für die erſten zu erſcheinenden Mäntel beſtimmt.

11. Statt der Pantoffel tragen die ele⸗ ganten Damen Stiefelchen von Seidenpiquet mit Schnürchen geſtikt u. befeſtigt mit Schlei⸗ fen von der Farbe der Schnürchen.

12. Die Schuhe, deren Form etwas ge⸗ ſpizter war, haben nun wieder viereckige 0 den betommen; aber ohne ubermaßig breit zu ſein.

Modenbil d. Nr. 40. paris, 20. Sept. 1. Bonnet mit Blu⸗ men. ueberrot von geſtreiftem Petin mit po- ſamentirarbeit geziert. 2. Reisſtrohhut. Kleid von Gros de Naples mit Tulle und Spizen aufgepuzt.

Halbläbriger Preut 4 d., mit freier Poſtzuſendung 5 fl. Auf Belinrapter mit eren Kupferab brüten 5 fl. und poſtfret 6 fl. C. M. Man prdnumerirt im Kommiſſiontamt zu Ofen(Fiſtung, auterbalb des Waßſertbort), in C. Mellert u. F. Tomalas Kunftbandlungen iu Peſtd un bel aten k. t. Peſtämtern.

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.