Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
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zu Königsſtein ums Leben bringen woll⸗ ten. In der Wohnung des unglükli⸗ chen Schuhmachergeſellen ſoll man auch von ihm u. ſeiner Geliebten eine lezte Willensmeinung vorgefunden und er ſich mit Geld verſehen haben, wovon die Beerdigungskoſten beider zu beſtrei⸗ ten ſeien. Ferner will man in Erfah rung gebracht haben, daß der Schuh machergeſelle auf hieſiger Meſſe drei Piſtolen gekauft, wovon eine in ſei nem Zimmer noch vorgefunden worden. Das unglükliche Paar iſt wirklich todt und furchtbar zugerichtet in der König⸗ ſteiner Feſtungsruine gefunden worden. 3

London. Wir haben neulich das Teſtament der Herzogin von St. Al⸗ bans und deren großes Vermögen er wähnt, das ſie von ihrem erſten Man⸗ ne, dem Bank ier Coutts geerbt hatte. Ganz London ſpricht von dieſem rei chen Bankier, deſſen wahrhaft koloſſa les Vermögen ſich größtentheils von ſeinen Verbindungen mit den hohen Beamten der Bank von England und anderer Vanken herſchreibt. Er trak- tirte dieſelben oft in ſeinem Hauſe auf höchſt ſplendide Weiſe und benuzte ſie dabei zu Ende der Mahlzeit zu ſeinen Plänen. Ein finanzieller Dienſt, den er dem Grafen Abercromby erwieſen, trug ebenfalls dazu bei, ſein Vermö gen bedeutend zu vergrößern. Er wuß⸗ te ſich die Gunſt dieſes reichen Herrn dadurch zu gewinnen, daß er ihm in augenbliklicher Geldverlegenheit eine anſehnliche Summe zur Verfügung ſtell te und die Dankbarkeit des ed⸗ len Grafen dafür war ſo groß, daß der Bankier ſtets von demſelben über 100,000 Pfd. in ſeinem Geſchäfte hat te. Er wies ihm ferner die Kundſchaft des Königs Geors III. zu. Kein Wun⸗ der, daß der Bankier ſo bedeutendes Vermögen hinterließ. Seine Wittwe, die nachmalige Herzogin von St. Al⸗

bans, erhielt von ihm über 18 Mil⸗ lionen Gulden C. M. B. Buntes aus Paris. Die be⸗ kannte Schauſpielerin Madame Dorval feierte in Troyes kürzlich einen Tri umph ganz eigener Art. Ihr Wagen wurde mit allem Flitterſtaate der dor⸗ tigen Theatergarderobe behangen, der Toga Syllas, dem Schleier Elodiens, dem Kleide Catarinas dc. u. eine Maſſe von Guirlanden, Kränzen und Blu⸗ menſträußen in den Wagen hineinge⸗ worfen. Sie mußte ſich auf einen im⸗ proviſirten Thron neben den galanten Direktor ſezen und gelangte in ihre Wohnnng in der Mitte eines Fakel⸗ zuges. Es war ein Uhr früh. In den Straßen, durch welche der lärmen⸗ de Zug ging, fuhren die Leute ent⸗ ſezt aus dem Schlaf und an die Fen ſter. Mad. Dorval wurde beinahe durch die geſchwungenen Fakeln verbrannt, und ihr Kutſcher mußte ſich mit der peitſche Bahn machen. Nach vieler Angſt erreichte die ſo ſeltſam Gefeier te endlich wohlbehalten ihre Wohnung, in welcher ihr einige ihrer glühendſten Verehrer zu folgen wagten. Louis Philipp will einen neuen Orden ſtiſ ten, der an Frankreichs berühmteſte Frauen vertheilt werden ſoll. Man nennt die Herzogin d'Abrantes, Mad. Dudevant und Dem. Mars als die Er ſten, die mit dem Roſenorden ge ſchmükt werden ſollen. B. Konſtantinopel. Der Sul⸗ tan hat das folgende Dekret erlaſſen: In Betracht, daß die Gewohnheit, den ganzen Tag träge und ausgeſtrekt auf Ottomannen zuzubringen, ſtatt ſich eine heilſame Bewegung zu machen, der Geſundheit ſehr nachtherlig iſt u. die Folge hat, daß die Türken in körper⸗ licher Hinſicht viel ſchwächer ſind als die Franken befehlen wir, daß man von nun an in den Zimmern Stühle und Sophas haben ſoll und die lezte⸗

ren Meubles blos für die Ruhe in der Nacht beſtimmt bleiben. A.