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Mailand. Zu Villanova in der Lombardei lebte eine Hirtin, deren ſchöne ſchwarze Augen allen Burſchen im Dorfe den Kopf verdreht hatten. Doch nur Einer war der Glükliche: Mat heo. Der wilde Pedro aber, der ſich früher von Paola begünſtigt zu ſehen geglaubt hatte, ſchwor den Lie— benden Rache. Eines Tages im Mo⸗ nat Auguſt, während der größten Hize, waren Matheo u. Paola in die Grotte San Francesco geflohen, die im Lande als ein früheres Aſyl von Räubern bekannt iſt. Pedro ſah dies von Weitem und näherte ſich mit leiſen Schritten. Ein großer Stein hing über den Eingang der Höhle, behutſam entfernte er die ihn haltende Erde, gibt ihm einen ſtarken Stoß, und er rollt hinab, die Höhle zu verſchließen. Ganz Villanova ſuchte die ſchöne Hirtin, die ſeit vier zehn Tagen verſchwunden war, als zwei vorübergehende Bauern ſahen, wie die Grotte San Francesco mit einem un— geheuren Stein verſtopft war. Sie nä⸗ herten ſich mit Schaudern und erblik— ten eine Menſchenhand, die ſich durch einen kleinen Spalt herausgehoben hatte, ſchon halb von Raubbögeln ver⸗ zehrt. Der Eingang wird geöffnet und man findet die Leichen Paola's u. Ma⸗ theo's in feſter Umarmung. Die Gerech— tigkeit iſt auf des Mörders Spur.
C.
Mainz. Ein hieſiger Theaterbe— richt ſagt:„Der Spaßmacher Jenke iſt kontraktbrüchig durchgegangen. Die Art, wie er die Platte gepuzt, iſt nicht blos diebiſch, ſondern auch bübiſch. Der zweite Ausreißer iſt der zweite Baſſiſt, Hr. Arberg; er nahm die Cho—⸗ riſtin Schwarzer, die ältere, mit. Der Mann, der dieſe gemeinen Seelen an ſich gekauft hat, iſt der Direktor Eh— lers von Amſterdam, ein Mann, dem RNemie ein mehrjähriger Wohlthäter war!!“— E.
Göttingen. Unter den aus⸗ waͤrtigen Veſuchern des Göttinger Uni⸗ verſitäts⸗Jubiläums, die früher dort ſtudirt hatten, war der älteſte der Pa— ſtor Jatho aus Wallenſen im Hanno— verſchen. Er ſtudirte in Göttingen im Jahr 1778, und feierte als Kandidat der Theologie ſchon das 50, Jährige Ju⸗ biläum der Georgia Auguſta mit. Troz ſeiner 80 Jahre und ſeiner harten Le⸗ bensprüfungen(er beſtattete ſchon 10 erwachſene Kinder und eine Gattin zur Erde) ſtieg er raſch und munter den Hainberg hinauf. F.
Frankfurt. Von dem nahen Homburg erfährt man folgende roman⸗ tiſche Geſchichte. Ein junger Schub⸗ machergeſelle hatte Bekanntſchaft mit einem Mädchen in Homburg. Zu der Idee gelangt, wenig Hoffnung zu ha—⸗ ben, ſich in Homburg oder Darmſtadt niederlaſſen zu können, rüſtete ſich gleichwohl Mitte voriges Monats der junge Mann angeblich zu einer Reiſe nach Darmſtadt, wo ſein Vater ſich be⸗ findet, und ſoll ſich zu dieſem Zwek auch Erlaſſung einer dreitägigen, durch irgend ein Vergehen verſchuldeten Ar— reſtſtrafe vom Landrath in Homburg erbeten und erbalten haben. Der Schuh—⸗ machergeſelle entfernte ſich und zugleich nach ihm ſeine Geliebte. Mehrere Tage fehlten beide und man konnte ihr Aus⸗ dleiben nicht deuten, als ein Brief des Vaters des jungen Mannes aus Darmſtadt ankam, worin es hieß, daß ihm ſein Sohn ein Käſtchen mit Klei— dern geſendet und bedeutet habe, daß er ſich noch vor der Ankunft deſſelben ermordet haben würde. Der Vater will nun Kunde haben von dem Schik ſale ſeines Sohnes. Ein zweiter Brief traf aus Frankenthal in Rheinbaiern von der Schweſter der Geliebten des jun⸗ gen Mannes ein. Dieſer hatten Beide Andenken überſendet u. ſie benachrich⸗ tigt, daß ſie ſich in der Feſtungsruine


