Jahrgang 
Band 2 (1837)
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Ansichten. Urtheile. Begebnisse.

Mignon⸗Zeitung.

Feuilleton aus Wien. Auf der Bretterwelt gab's dieſe Wo⸗ che wenige Novitäten. Im k. k. Burg⸗ theater ſchlof Dem. Stubenrauch am 27. Sept. mit Donna Diana ihre Gaſt⸗ ſpiele. Tags darauf debütirte Herr Meaubert, k. ſächſiſcher Hofſchauſpie⸗ ler, zum erſten Male als Bader Schelle, in Raupach'sSchleichhändlern. Sein erſtes Auftreten war von ziemlichem Erfolge. Im k. k. Hofeperntheater ſahen wir eine neue Operette:der Seekadett, welche ungeachtet der lieb⸗ lichen Muſik von Labarre, dem Pu blikum nicht zuſagte. Die ſchlechte Be⸗ ſezung war Schuld am Mißfallen. Der Tenoriſt Dobrowsky, vom Frankfur⸗ ter Theater, wird nächſtens auf dleſer Bühne gaſtiren. Das Joſephſtädter Theater macht prächtige Geſchäfte. An Raimund'sVerſchwender verſchwen den die Leute noch immer ihr Geld. Man kann ſich aber auch an dieſem herrlichen Stüke nicht ſatt ſehen! Die Aufführung fand am 30. Sept. ſtatt und ging bis auf einige Schnizer gut zuſammen. Ein Hr. Wallner gab den Valentin und erntete ſtürmiſchen Bei⸗ fall durch ſeine getreue Koptrung der Raimund'ſchen Darſtellungsweiſe. Mad. Jäger, als Kammermädchen Roſa, war exzellent. Hr. Nolte, als Flottwell, Dem. Leinſitt, als Cheriſtane, Herr Vanini, als Kammerdiener Wolf, lei⸗ ſteten Verdienſtliches. Hr. Kunz, als Bettler, ſang gut, ſprach aber ſchlecht. Die übrigen Mitbeſchäftigten genüg⸗ ten. Koſtüme, Dekorationen ſplendid, die Tänze unter aller Kritik. Die Chöre, beſonders zum Schluſſe, diſto⸗ nirten gräßlich keine Ehre für den Kapellmeiſter! Im Theater an der

Wien erwartet man dieſer Tage die Benefize des Hrn. Scholz, in welcher der⸗ ſelbe die berühmte Cachucha en costume tanzen wird. Ein pompös angekün⸗ digtes Feſt in Tivoli machte unge⸗ heures Fiasko durch die Armuth ſei⸗ ner Erfindung. Es hieß:Das ita⸗ lieniſche Schweineſpiel und der Zug der Zünfte. So etwas Schlechtes und Geiſtloſes hat Wien noch nie geſehen! Mit dem lieben Tivoli hat es über⸗ haupt ein eigenes Bewandtniß: In ſeinem Entſtehen war es voll A n⸗ mut hz; dieſe wurde bald zum Hoch⸗ muth, im Uebermuth gab Ti⸗ voli ſchlechte Küche u. Wein wie Wer⸗ muth; die Säſte verließen es mit Unmut h. Nun war Tivoli ver⸗ ödet und wurde alt unter Junge. Jezt beſizt es Demuth und wer da hingeht bekommt Wehmut h. Tivoli wurde(2) und hat ausgeſpielt! Ein Hr. Arming ſoll mit dem J. 1838 eine neue Zeitſchreft: Wh neue Sonntagskind u. ein Hr. Wieſe eine neue Handlungszeitung heraus- geben. Alambre. Frankfurt. Das hieſige Kon⸗ verſationsblatt ſagt:Rezenſionen über Meyerbeer'sHugenotten ſind gegen- wärtig an der Tagesordnung. Das Lob iſt überſchwänglich. Leute, die keine Note verſtehen, geberden ſich wie graue Kontrapunktiſten. Es iſt zum Erbar men! Wir haben den Muth, auch eine Meinung auszuſprechen, kein Anathem wider uns fürchtend. Sie lautet: In zehn Jahren, vielleicht früher, werden die Hugenotten von allen Bühnen ver ſchwunden ſein. Polizei und geiſtliches

Gericht ſollten ſie ſchon vertrieben ha- ben.(Sollte denn Meyerbeer bei ſeiner lezten Anweſenheit in Frankfurt die⸗ ſenmuthigen Mann übergangen haben 2) C.