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immerfort gedekt ſtand. Jeder ſann darauf, ihnen etwas Auserleſenes und Köſtliches zu ſenden und es roch nach allen dieſen Gerichten und Lekerbiſſen ſo in dem ganzen Hauſe, daß man es kaum aushalten konnte. Vorzüglich fehlte es nicht an grünen Erbſen, die damals in Paris noch eine ſolche Seltenheit waren, daß eine Perſon ein Schüſſelchen, das 500 bis 400 Livres gekoſtet hatte, mit Bequemlichkeit aufeſſen konnte. Alle die ſchönen alten Möbeln in dieſen Sälen und Zimmern waren mit Hauben, Schnürleibern, Paketen, Kaſten, Schachteln, Riechkäſtchen, Sultaninen, Flakons, Mäntelchen, Schmink doſen und Pantoffeln belegt; alle Winkel lagen davon voll.
Bis jezt war das Alles noch vortrefflich gegangen. Man fing damit an, ſeine Toilette zu machen; man ging in das Zimmer der Kranken alle Minuten aus und ein; man ging in den andern Zimmern ſpazieren; man ſezte ſich, um zu eſſen, oder um die Bälletins abzuſchreiben; man gab ſeinen Verwandten und ſeinen vertrauten Freunden Audienzen; man ſchrieb ſehr viele Billette und alle Antworten, die man erhielt, ſprachen die höchſte Bewunderung einer ſo zärtlichen und edelmüthigen Aufopferung aus, die ein Gegenſtand des Na⸗ tionalſtolzes werden und für künftige Geſchlechter ein Gegenſtand des Neides und ein in ſeiner Art einziges Beiſpiel ſein würden. Man war überzeugt, daß Ariſtotigon, Hamodius und Pylades, im Vergleich mit den Freundinen der Frau von Henin, nur Brudermörder und Kannibalen genannt zu werden verdienten.
Die Freundinen dieſer Freundinen fingen nun aber an, ſich zu langwei— len und ſich gleichfalls zu ſolcher heroiſchen Handlungsweiſe angefeuert zu füh⸗ len. Man erfuhr, die Prinzeſſin von Tyrenne ſei ein wenig unpäßlich, was bei dem Mangel an friſcher Luft und an Bewegung nicht zu bewundern war. Sie hatte eine Unzahl von vertrauten Freundinen; man machte den Verſuch, ſie ihren Leiſtungen als barmherzige Schweſter abwendig zu machen, und als man ſah, daß ſie dieſem Verſuch einen unüberwindlichen Widerſtand entgegen— ſezte, ſo beſchloß man, ſich den pflegerinen der Frau von Mauconſeil zuzu- geſellen, um, wie Frau von Trons ihrem Manne ſchrieb, bei der Hand zu ſein, Frau von Tyrenne pflegen zu können. Es war wie ein Ueberfall; da es aber z. B. grauſam und unmenſchlich geweſen ſein würde, die Herzogin von Lesparre und die Gräfin von Spinola von der Prinzeſſin von Tyrenne trennen zu wollen und dieſe ſich wiederum nicht von der Frau von Henin entfernen wollte, welche ihre geliebte Mutter nicht verlaſſen konnte, und da nun auch noch zwei bis drei gute Freundinen der Frau von Teſſé für dieſe meine lie⸗ benswürdige Nichte beſorgt zu werden begannen, ſo richtete man für 12 bis 15 dieſer gefühlvollen Frauen die Gemäldegallerie ein, wo ſie auf Kanape's und Sophas, auf Kiſſen und Teppichen, die man auf Tiſche legte, ſchliefen; ſie bequemten ſich zu Allem, nur nicht dazu, auf Matrazen zu liegen, denn von Matrazen wollten ſie durchaus, um die Größe und den Edelmuth ihrer Auf⸗ opferung in deſto hellerem Licht zu zeigen, nicht reden hören.
N(. Beſchluß folgt.)
Die ea uin.
Die Trüffel iſt bekanntlich ſchwer zu finden, da ſie nicht über dem Bo—⸗ den erſcheint wie ein Pilz, ſondern in der Erde verborgen iſt wie eine Kar—⸗


