Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
629
 
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Dieſen Eigenſchaften liegen verſchiedenen Urſachen zum Grunde. Da die Amerikaner meiſtens von Engländern, Irländern und Deutſchen abſtammen, denen beiden leztern man weniger Tüchtigkeit als den Engländern zuſchreibt, und der Amerikaner ſelbſt die Engländer übertrifft, ſo entſteht dieſe Differenz haupt ſächlich nur von der Erziehung und dem politiſchen Zuſtand des Landes. In Europa iſt Alles mehr oder weniger aufs Warten und Harren angewieſen, und dieſer Zuſtand erſchlafft die Thätigkeit und bringt als zweiten Nachtheil die ſogenannte geſellſchaftliche Unterhaltungsſucht hervor. Die Gewerbtreiben den warten und harren auf Konzeſſionen, auf Zulaß zum Meiſterrecht, zum Heirathen(oft jahrelang), ſo wie auf Abſaz und beſſere Zeiten, die ſie in Folge des Zunftgeiſtes ſich gewöhnlich nicht ſelbſt ſchaffen, ſondern von oben herab herbeigeführt wünſchen. Da ſehr viele Umſtände die freie Betreibung des Geſchäfts hindern, ſo muß man immer Geduld haben. Vei uns ſchon im 10⸗ten Jahre an den künftigen Beruf zu denken, möchte fantaſtiſch ſein; in Amerika iſt es dies nicht, und kann unterhaltend anregen.

Ein Schiffbruch.

Am 16. Mai 1835 verließ das SchiffStirling Caſtle Sidney, um ſich nach Singapur zu begeben; den 2. Juni gegen Abend ſtieß es an ein Koral leuriff. Es hatte 18 Mann, 2 Kinder und Madame Frazer, die hochſchwangere Frau des Kapitäns, an Vord. Die ganze Mannſchaft rettete ſich glüklich in eine Schaluppe und eine Barke, die ſie aber wegen der Winde und Strömun⸗ gen den Wellen und dem Zufalle ganz überlaſſen mußte. Nach langem peinli chem Harren erblikte man endlich Land und legte an einem Orte an, der Wi debay hieß. Hier ſahen ſich die Reiſenden augenbliklich von Wilden umringt, welche die Unglüklichen ganz entkleideten und die Uhren und Chronometer zerbrachen, um ſich die Stükchen als Puz in die Ohren zu hängen. Zwei Tage nachher wurden ſie von den Wilden vertrieben und ſie fielen andern Stämmen in die Hände, welche ſie nöthigten, die beſchwerlichſten Arbeiten zu verrichten. Nur Mad. Frazer hatte das Glük, den Wilden zu entkommen; ſie verbrachte die Nacht in einer Felſenhöhle; den andern Tag aber ſah ſie eine Schaar ſchwarzer Frauen kommen, die ſie zwangen, Holz zu fällen und Feuer anzumachen. Dann mußte ſie ſich den ganzen Körper mit gewiſſen Kräutern rei⸗ ben, wodurch ſie ſchwarz wurde und die wilden Frauen tätowirten ſie. Vier Tage nachher ſah ſie ihren Mann zum erſten Male ſeit ihrer Trennung wie der, nur um Zeuge zu ſein, wie ein Wilder ihm den Spieß in die Bruſt ſtieß, ſo daß er augenbliklich todt niederſank. Sie fiel in Ohnmacht. Der erſte Offizier entwarf nun einen Plan der Rache, aber die Verſchwörung kam an den Tag und der Unglükliche fand ſeinen Tod in den Flammen. Ein Schwar⸗ zer vom Schiffe war ebenfalls ſeiner Kleidung beraubt worden, hatte aber ſei ner Farbe wegen die Freiheit behalten. Dieſem gelang es endlich, ſich eines Bootes zu bemächtigen, mit dem er ſich nach Moreton Bai begab und dort den Kommandanten die Leiden ſeiner Unglüksgefährten ſchilderte. Der Komman dant ſchikte ſogleich mehrere Soldaten ab, um Mad. Frazer und die übrigen noch Lebenden zu befreien. Dieſe Unternehmung gelang vollkommen und die Frau mit fünf Leidensgefährten wurde gerettet.