Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
628
 
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Eln anderer thörlchte Einbildung dieſer Zeit, an der aber Jean Jacques keinen Antheil hatte, war die, daß man den Kindern nicht erlaubte ſich ſatt zu eſſen und ihnen keine Fleiſchſuppe und kein Fleiſch vergöͤnnte, um ſie vor Schärfe im Blute zu bewahren. Obſt durften ſie, um der Würmer willen, nicht eſſen; Eingemachtes nicht, weil dle Süßigkeiten den Magen verdarben; zu trinken bekamen ſie nichts als Brodwaſſer; Kuchen und Konfekt waren nun vollends verboten. Sie bekamen nichts als Grüze und Haferſchleim zu eſſen und zum Frühſtük einige Brodkrumen in abgerahmte Milch eingeweicht, gerade ſo, als wenn ſie junge Kanarienvögel geweſen wären. Der Marquis von Villeneuve ſagte, ſeine Frau habe einen Papagei, der mehr zu eſſen bekomme, als ſeine vier Kinder zuſammen. Dieſe Kinder, die vor Hunger bald umkamen, weinten nun natürlich den ganzen Tag; ſie lernten lügen und ſtehlen und einige Kna⸗ ben empörten ſich förmlich gegen dieſe Hungerkur. Die drei Bethune's und die Choiſeuls hatten ſich verabredet, über, ich weiß nicht wie viel Mauern zu klettern, um, während der Nacht, die Speiſekammer der Herzogin von Sülly, ihrer Großmutter, auszuplündern. Die kleinen Mädchen waren am Schlimm ſten daran und da ſie nicht Gelegenheit hatten, Brodrinden, unreifes Obſt oder rohe Wurzeln ſtehlen zu können, ſo mußten ſie ſich damit behelfen, den Kazen ihren Fraß zu ſtehlen. b(Fortſezung folgt.)

Die jungen Amerikaner.

Ueber dle amerlkaniſchen Knaben ſagt Grund in ſeinem neueſten Werke über Amerika: Ein zwölfjähriger amerikaniſcher Knabe iſt eben ſo weit, wie ein ſechzehnjähriger Europäer; und hat er dies leztere Alter erreicht, eben ſo brauchbar zum Geſchäft und eben ſo tüchtig, wie ein junger Deutſcher von 24 oder ein Franzoſe von 50 Jahren. Eine ähnliche Erſcheinung kann man in England beobachten, doch bringen weder das Klima, noch die Erziehung die Wirkungen, wie in Amerika, hervor. Von ſelner früheſten Jugend an wird der junge Amerikaner gewöhnt, ſich als ſeinen eigenen Glüksſchmied zu be⸗ trachten. Was er lernt, oder treibt, geſchiebt Alles mit der Ausſicht zum künftigen praktiſchen Gebrauch, und in dem Augenblike, wo er die Schule verläßt, tritt er auch in das Geſchäftsleben ein. Sein Ruf wird, von dem Augenblike, wo er zu denken anfängt, der Gegenſtand ſeiner eifrigſten Sor ge, da er auf ſeine künftige Stellung in der bürgerlichen Geſellſchaft den entſchiedentſten Einfluß hat und die Sphäre ſeiner Nüzlichkeit zu erweitern im Stande iſt. Schon als Schulknabe hat er ſeine beſtimmten Anſichten über Politik und Religion, die er mit einer eben ſo großen Wärme vert hei⸗ digt, als ob er im Senate ſeines Vaterlandes ſäße, oder ein Prediger wäre. Sobald er Leſen und Schreiben kann, entwirft er ſich auch ſchon den Plan zu ſeiner künftigen unabhängigen Stellung; ich ſelbſt habe Knaben von 10 bis 12 Jahren über die Behaglichkeit und den Vortheil, verheirathet zu ſein, mit einem ſolchen Ernſt und einer ſolchen Gewißheit reden hören, als ob ſie eine mathematiſche Lektion durchgenommen oder die Vorzüge einer politiſchen Abhandlung erörtert hätten. Sie berechneten die Aus ſicht auf das häusliche Glük eben ſo ſcharf, wie ein Kaufmann den Nuzen einer kaufmänniſchen Spe⸗ kulation oder ein Bankier die Prozente gon einem Wechſel kalkuliren würde.