Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
612
 
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Der Men ſ ch.

Die Philoſophen haben ſich große Mühe gegeben, eine Definition zu ſin⸗ den, nach welcher der Menſch von den Thieren unterſchieden werden könnte. Zwei der merk würdigſten dieſer Erklärungen ſind erſtens die von Burke, welcher ſagt:Der Menſch iſt ein Thier, welches ſeine Nahrungsmittel kocht, und

zweitens die von Dr. Adam Smith, welcher ſagt:Der Menſch iſt ein Thier,

das Handel treibt; dies thut kein anderes Geſchöpf.

Ansichten. . heater.

Peſt h.(Neue Zauberpoſſe.) Am 23. Sept. zum Erſtenmale:Nur Eine löſt den Zauberſpruch, oder: Wer iſt gläklich? Zauberfpiel in 3 Akt. von Wilhelm Turteltaub, Muſik von A. Scutta. Die Handlung der Zau berſtüke, wie ſie ſchon unzählige Mal von den Lokaldichtern der Leopoldſtadt u. der Wieden dem Publikum bis zum Ueberdruß vorgeführt wurden, iſt bei läufig folgende: Gute u. böſe Geiſter miſchen ſich aus Langewekle in die An gelegenheiten einiger böchſt unbedeu tender Erdebewohner. Die guten Gei ſter wollen ein Paar arme Schluker glüklich, die böſen ſie unglüklich ma chen; die guten reuſſiren u. die Poſſe hat ein Ende. In dieſer Hauptſache gleichen ſich die meiſten dieſer Produkte wie ein Ei dem andern u. auch die vor uns liegende Voſſe hat dieſelbe Ten denz und Form; aber in andrer VBe ziehung können wir ſie als das gelun genſte Werk, das ſeit lange in dieſem Genre erſchienen, bezeichnen. Wenn gleich der Verfaſſer noch keine ſonder liche Kenntniß der Bühne, auch keine fol gerechte dramatlſche Behandlung ſei nes Stoffes beurkundet(mit dem lez tern nimmt es zwar gar kein Lokat dichter ſo genau), ſo hat er doch in dem Dialoge, worin der Wiz, vor züglich der jezt ſo in Flor gekommene

Urtheile. Begebnisse.

Wortwiz, ſprudelt und Schlag auf Schlag folgt u. in der glüklichen Zu ſammenfügung mancher Effektmomente ſich als Mei ſter bewieſen. Was dieſe Wize vorzüglich auszeichnet, iſt, daß ſie großentheils nicht zu der Klaſſe der Wiederkäuer gehören u. auch nicht aus gemeinen und ſchmuzigen Spelunken geholt wurden; ja gar Manches in die ſer, im Ganzen doch nur trivialen Lo kalpoſſe ſagt uns: zu etwas Beſſe⸗ rem bin ich geboren. Nur ſelten ſtoßt man hin und wieder auf Derbes und Gemeines, aber gleichſam nur, um uns den Kontraſt gegen das Edlere zu zei gen. Die Charakter-Zeichnung iſt im Ganzen zwar unbedeutend, aber die des Gabriel, ſo ſchwankend ſie auch iſt, ſehr originell und frappirend und iſt ſie in guten Händen, wie es hier ſicher der Fall war, muß ſie ungemeine Wirkung hervorbringen. Die Kouplets haben tiefere Bedeutung als gewöhnlich, ſie ſind jedoch manchmal etwas zu weit

hergeholt, als daß ſie das Publikum gleich

kapkren ſollte. Die Muſik von Scutta iſt auch etwas zu matt und effektlos. Blos das Quodlibet iſt gut kombinirt und wirkte dergeſtalt, daß es zweimal wiederholt werden mußte, wozu die Hrn. Lang u. Gäde gewiß ſehr viel beitru⸗ gen. Das Stük gefiel ungemein. Das Haus war ſehr voll u. ſchallendes Ge- lächter begleitete die wizigen Einfälle des Verfaſſers. Eine Abkürzung würde