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Wir groß war daher ſein Erſtaunen, als er die Räuber, ſo wie ſie den Ring nur erblikt hatten, in der höchſten Beſtürzung ſah! Den Drohungen, Flüchen und Grobheiten folgten die größten Beweiſe der Achtung und Ehr—⸗ furcht: ſie eilten, ihm ſeine Vörſe zurükzugeben und baten ihn demüthig, das Vorgefallene zu vergeſſen. Sir William mußte ſich ſelbſt bequemen, ſich von ihnen für den Reſt des Tages eskortiren zu laſſen und als die Dämmerung einbrach, wurde er von ihnen in ein einſames Haus in einem wilden Thale geführt, um da auszuruhen und ſich zu erfriſchen.
(Beſchluß folgt.)
Der Gerichtsdiener arretirt von dem Schuldner.
Ein kleiner Ort im weſtlichen Frankreich war vor Kurzem der Schau⸗ plaz eines artigen Abenteuers. 5
Der Ritter..., Maire dieſes Ortes, 40 Jahre alt und Beſizer eines jährlichen Einkommens von 30,000 Frks., hatte Schulden wie ein junger Mann, der einen reichen Onkel zu beerben gedenkt. Einer der Gläubiger des Ritters, der des nie erfüllten Verſprechens ſeines Schuldners überdrüſſig war, entſchloß ſich endlich, denſelben feſtnehmen zu laſſen; wozu er bereits die Er⸗ laubniß hatte und übergab die Vollmacht dem Gerichtsdiener des Städtchens... welches nur einige Stunden von dem Wohnorte des Maire ent fernt liegt. Der Gerichtsdiener reiſete mit einer zur Verhaftung nöthigen Anzahl von Perſonen ab und kam in dem Schloſſe des Ritters an. Dieſer merkte kaum, wovon es ſich handele, als er den Diener der Gerechtigkeit in ſeiner Anrede unterbrach und denſelben nach dem Paſſe fragte. Der Mann wurde durch dieſe Frage natürlich ſehr überraſcht und geſtand, daß er keinen Paß habe, weil er nicht geglaubt habe, daß er bei der geringen Entfernung einen brauche, wenn er in ſeinen Dienſtverrichtungen reiſe, auch durch die Urkunden, die er bei ſich führe, ſich recht wohl legitimiren könne. Während der Arme ſoͤ ſprach, hatte jener einem ſeiner Leute befohlen, die bewaffnete Macht des Ortes auf⸗ zubieten; wirklich erſchien bald darauf der Feldwächter mit drei Mann mit alten Flinten, welche zuſammen die Nationalgarde des Ortes vorſtellten.
Der Maire befahl ihnen ſogleich, die fünf anweſenden Perſonen, welche ſich nicht durch Päſſe ausweiſen könnten, in das Ortsgefängniß zu führen. Der Befehl wurde ſogleich vollzogen. Vergebens wollte auf dem Wege der Gerichts⸗ diener mit ſeinen Begleitern unterhandeln und ihnen beweiſen, daß ſtatt in das Gefängniß geführt zu werden, er vielmehr den Maire dahin bringen ſolle; die Leute hatten nicht den Auftrag die Handlungen der Vehörde zu kontrolli— ren, ſie mußten ſich viemehr darauf beſchränken, die Befehle derſelben auszu— führen. Deshalb mußte der Gerichtsdiener mit ſeinen Leuten in das Gefäng⸗ niß wandern und da bleiben bis den nächſten Tag.
In dieſer Zeit hatte der Schuldner ſich verſtekt und ſeine Sache mit jenem Gläubiger arrangirt. Als dies geſchehen war, gab er dem Diener der Gerechtigkeit eine kleine aber doch anſehnliche Summe als Entſchädigung für die Haft, und man begnügte ſich, das Geſchenk lieber anzunehmen, als wegen der ſpaßhaften Myſtifikation eine Klage anzuſtellen.


