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Ausführung allen billigen Erwartun— gen genügt. Wie ſich auch die Mei⸗ nungen in Deutſchland geſtalten mö— gen, ſo viel iſt unwiderſprechlich, daß dieſe Kompoſition eine der genialſten, eigenthümlichſten u. koloſſalſten Schö— pfungen im Bereiche der Kunſt genannt werden kann..
Paris. Eine junge Sängerin, Mad. Stoltz, macht in der großen Oper enorme Senſation, und bildet den Gegenſtand aller Unterhaltungen in der muſikaliſchen Welt. Sie ſang bisher die Rachel, in Halevy's„Jü— din“ und die Valentine, in Meyer— beers„Hugenotten“ u. entwikelte in beiden Parthien ein ungewöhnliches Talent. Die große Oper iſt daher jezt an Sängerinen reicher denn je. Außer den Damen Dorus-Gras, Fal— con u. Stoltz, welche jede auf was immer für einer Bühne Europas als Prima⸗Donna fungiren könnte, entfal— tet Dem. Nau eine Methode u. ein Talent, wodurch ſie bald ihren drei Kolleginen wird zur Seite geſezt wer— den können. Auch Dem. Flecheux be— rechtigt zu Erwartungen. R.
Korreſpondenz.
Semlin(7. Sept.). Die Schiff⸗ fahrt auf der Save war dieſen Som— mer ſehr lebhaft. Die Erwartung einer guten Ernte, welche auch durch den Erfolg beſtätiget ward, machte, daß der Handelsſtand ſeine Vorräthe los— ſchlug. In Serbien und Bosnien iſt die Frucht- und Zwetſchken-Ernte be⸗ ſonders gedeihlich ausgefallen. Ue— berall der Segen Gottes, nur nicht für die Spekulanten.— Uns iſt durch
den bedenklichen Geſundheits-Zuſtand
jenſeits der Donau die erfreuende Hoff— nung benommen worden, Seine Durch— laucht den Fürſten Miloſch in unſerer
Stadt zu ſehen. Er hatte die Abſicht,
Seiner Tochter, die hier an einem wohlhabenden Kaufmann vermählt iſt, einen Beſuch abzuſtatten.— Als Beweis der fortſchreitenden Ziviliſation der Muſelmänner hier einen kleinen Be— leg. Ein türkiſcher Beamte vom Hof— ſtaat des Paſchas von Zwornik kam in Handelsgeſchäften über die Save. Ein anweſendes Frauenzimmer hatte ſich mit einem Paraſol gegen die Sonne ge— ſchüäzt, welches ihm dermaſſen gefiel, daß er nicht abließ, bis er es käuflich an ſich brachte, um es der Tochter ſei— nes Paſchas zum Geſchenk zu machen. Bei
dieſer Gelegenheit erhielt er auch meh—
rere Modenbilder aus Ihrem geſchäz— ten„Spiegel“ zur Beigabe, worüber er große Freude bezeigte. Es iſt nicht zu bezweifeln, daß unſere belletriſtiſchen, beſonders aber die Mode-Zeitſchriften den Weg in das bosniſche Gebiet fin— den werden.— An den geiſtigen Geträn— ken finden jezt die Moslems großes Ve— hagen, welches den Handel mit dieſen Artikeln in unſerem Lande ſehr beför— dert.— Obgleich die noch immerwähren— den Hochgewitter, oft vom Hagel beglei— tet, den auf dem Felde noch befindli— chen Kukuruz u. den Weingärten gro— ßen Schaden bereitet, ſo trifft es nur manche Gegenden ſtrichweiſe und hat auf das allgemeine Gedeihen keinen Einfluß.—m—
Miguon⸗Zeitung.
Feuilleton aus Wien. XII. Seit einigen Tagen bildet eine Erſcheinung die Spindel unſerer Sa— lonkonverſation u. Wizdrechslerei. Aus dem ſchönen Lande, wo die Pomeran— zen blühen, iſt eine Geſellſchaft Jon— gleur's, bizarr in dunkle u. lichtbrau⸗ ne Gewänder gehüllt, hier angekom— men, welche rein Unglaubliches in dem Genre der Gymnaſtik u. Athletik lei⸗


