Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
607
 
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ſten. Was würde der große Rappo, wel⸗ cher mit einer 40⸗pfündigen Kanonen kugel, wie mit einem Federballe ba⸗ lanzirt, ja was würde er ſagen, wenn er ſähe, wie Signor Bruno Puce, eine ganze Kanone, nicht mit den Hän⸗ den, auch nicht mit den Haaren, ſon dern nur mit einem Fuße, im ſchnellen Laufe wie einKinderwagerl hinter ſich zieht, oder wie Signor Negro eine egyptiſche Pyramide in die Luft ſchleu dert. Man kömmt vor Staunen und Verwunderung gar nicht zu ſich, wenn man ſieht, wie die ganze Geſellſchaft, in einem Ballſaale verſammelt, beim Walzer- und Kotillonstanze die größ⸗ ten Saltimortali, die unbegreiflichſten Luftſprünge macht. Aus Neugierde frag⸗ te ich den Signor Padrone, auf welche Art ſeine ſämmtlichen Individuen ſich ſo ſeltene Muskelkraft angeeignet.Ja, daß iſt ein Geheimniß, flüſt erte er mir ins Ohr;doch Ihnen will ich es anvertrauen. Menſchenblut trinken ſie täglich u. dies gibt ihnen ſolche Kraft! Sie ſchütteln den Kopf, lieber Le⸗ ſer? Sie glauben, ich möchte Ihnen gerne einen Vären anbinden? Nein, nein! Wahrheit iſt's was ich berichte, denn die dreſſirten Flöhe des Herrn Michaele Vitta leiſten all dieſe Herkuleskünſte. Dieſe i tal ie niſchen Flöhe, Enkel derjenigen, von welchen Hr. Nicolai ſo viel Wun der erzählt, ſind eine ganz andere Race als unſere vaterländiſchen z ihr ganzes Weſen athmet das feurige Süden, man iſt erſtaunt ob ihrer Lebhaftigkeit, ob ihrer Verſtandskräften. Doch genug! überlaſſen wir dieſe kühnen Springer den hieſigen Journalen, welche in ih⸗ ren nächſten Nummern ganze gelehrte Abhandlungen über dieſe Athleten zu bringen verſprechen. Laſſen wir ihnen dieſe pikante und beißende Ar⸗ tikel! und wenden wir uns lieber zu den Novitäten und Kurioſis unſe⸗

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rer Bühnen. Im k. k. Burgtheater trat am 12. Sept. die würtemberg'ſche Hopfſchauſpielerin Dem. Stubenrauch, als Gräfin Orſina, mit glänzendem Er⸗ folge auf. Schon die impoſante, juno⸗ niſche Geſtalt, das ausdruksvolle, geiſt reiche Geſicht der ausgezeichneten Schau ſpielerin machte den günſtigſten Ein⸗ druk. Ihr ſchönes Spiel, fern von aller Effekthaſcherei, zeigte klar, daß ſie ihre Rolle in allen Schattirungen treu aufgefaßt. Dem. Stubenrauch ge⸗ fiel, wurde gerufen u. das mit Recht. Freitag, den 15. Sept., gab ſie wie⸗ der in NaupachsCorona v. Saluzzo die Titelrolle und gefiel nicht minder. Auf unſerer Opernbühne wurde am 12. Sept. in neuer, ſplendider, groß artiger Ausſtattung Roſſini's Meiſter⸗ operWilhelm Tell zur Aufführung gebracht. Am 11. Septemb. bekamen wir im Leopoldſt. Theater die ganz freie(2) Bearbeitung des bekanten Ga min de Paris, unter dem Titel:Der Straßenjunge v. K. Meisl zu Geſichte. Noch zwei Bearbeitungen des Gamin ſtehen uns bevor: im k. k. Burg- u. im Joſephſtädter Theater(welches leztere morgen mit dieſem Stüke eröffnet wird). Das Theater an der Wien, dieſer nie verſiegende Born miſerabler Mach⸗ werke, gab nein, hielt uns wie⸗ der zum Veſten mit dem Krüppelkinde eines unbekannten Poſſenfabrikanten. In der That, auf dieſer Bühne wer⸗ den Poſſen mit dem Publikum u. das Publikum mit Poſſen getrieben. Das neue Produkt, zum erſten Male aufgeführt am 153. Sept., zum Vo r⸗ theile der Dem. Schadetzky u. zum Nachtheile des Publikums, heißt: Laufer und Jäger, oder die lebendi⸗ gen Haubenſtöke, und iſt, wie zu er⸗ warten, wieder eine zufammengeflikte, geduldzerreißende Komödie. Welche Iro⸗ nie für das Publikum ſtekt in dieſem Titel! denn wer im erſten Akte