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Str. Stoll als Zampa. Neue
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Opern in spe.) In der Erwartung einiger neuen Opern, die unſere Direktion mit ihrer gewohnten ſplendiden Ausſtat— tung ſobald als möglich in die Szene bringen wird, begnügen wir uns einſt— weilen mit der Wiederholung einiger ältern beliebten Tonwerke. So ſa— hen wie in den lezten acht Tagen die Opern„Don Juan“,„die Braut“, „Zampa“ und„der Schnee.“ Von be⸗ ſonderem Intereſſe war die Gaſtparthie der Dem. Henriette Carl, die am 15. d. M. die rieſige Aufgabe der Donna Anna in„Don Juan“ mit dem glük⸗ lichſten Erfolge löſte. Sie vereinig— te Bravour mit Wohlklang, Kunſt mit Empfindung, um ihren klaſſiſchen Arien das Gepräge der Vollkommenheit zu geben. Das Auditorium behandelte die Künſtlerin nach Verdienſt; der Bei⸗ fall war kontinuell.—Ehrenvolle Erwäh— nung verdienen: Mad. Pohl-Beiſtei—⸗ ner, die löblich die Zerline ſang und trefflich ſpielte; Dem. Walter, die als Donna Elotre den erfreulichſten Beweis ablegte, wie Tüchtiges ſie zu leiſten vermag, wenn ſie nur gehörig poſtirt wird; leider verläßt uns bald dieſe talentvolle u. gebildete Sängerin. Hr. Oberhoffer ſcheint ſich immer mehr mit
der Aufgabe, den der Dichter und der
unſterbliche Tonſezer mit dem Don Juan ſtellte, vertrauter zu machen; noch ein Paar Wiederholungen u. ſei— ne Leiſtung dürfte ſehr gelungen wer—⸗ den. Unſer ſonſt ſo treffliche Hr. Kaler ſcheint aber noch nicht ſo nahe daran, um den Leoporello von der richtigſten Seite zu erfaſſen. Don Juan und Leo— porello, beide bedürfen einer tüchtigen Doſis von Geiſt und Leben.— Herr Stoll(Ottavio) ſang mit der ihm zu Gebote ſtehenden klang- und umfang⸗ reichen Stimme. Herr Rott gab den Maſſetto recht wirkungsvoll und mit lebendiger Wahrheit.— Am 18. er⸗ 1
ſchien Hr. Stoll zum Erſtenmale ats Zampa. Wir hatten dem erfreulichen u. ſo viel verſprechenden Talente des Hn. Stoll bei jeder Gelegenheit die vollſte Gerechtigkeit wiederfahren laſſen und ihm auch phrophezeiht, daß er bei fort- ſchreitendem Studium gewiß einſt Epo⸗ che auf der Bühne machen wird. Da— her nehme er es nicht übel, wenn wir ihm ſagen, daß er mit der Uebernahme des Zampa ſeiner zukunft etwas vorge— griffen habe. Dieſer Part erfordert ei— ne koloſſale Kraft, eine ungewöhnliche Routine u. faſt ein Doppel-Talent, daß die Stimmen eines Varitons und eines hohen Tenors glüklich in ſich vereint. Daher kam es, daß hier nur zwei Sän— ger erſten Ranges, Wild u. Breiting, ausſchließlich darin ihr Glük machten, u daß unter manchen andern, ſonſt aus— gezeichneten Sängern auch Hr. Stoll nicht durchdringen konnte. Indeſſen wollen wir nicht beſtreiten, daß er, troz dem, daß er den Part ſehr ſchnell übernommen haben ſoll, einige gelungene Momente hatte, vorzüglich ſchöͤn ſang er die erſte Arie des zweiten Aktes. An Applaus fehlte es keinesweges; doch gehört der geſpendete Kranz eben ſo wie der Zampa einem gereiftern Avenir dieſes hof f— nungsvollen Sängers an.— Die neuen Opern, welche wir zu erwarten haben, ſind:„Der Poſtillon von Lam— junais“,„Das Kaſtell von Urſino““ und„Macbeth“, leztere mit pracht— voller Ausſtattung.— Im Schauſpiel. gibt's jezt auch nur Altes, daher uns die Mühe des Referirens erlaſſen iſt. Hag.
Hamburg. Nicht leicht war auf eine neue Darſtellung auf unſerer Buh ne das Publikum ſo begierig, als auf die der„Hugenotten“, ein Werk Meyer— beers, das in Frankreich allgemein für ſein vollendetſtes anerkannt worden iſt. Dieſelbe hatte am 8. Sept. bei über⸗ fülltem Hauſe ſtattgefunden und in der


