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ten in ihren geringern Parthien nach Maaß ihrer Kräfte.— Am 21. ſpielte Mad. Jäger in einem Quodlibet zum lezten Male. Sie war wieder vollkom— men bei Stimme, und es verſteht ſich von ſelbſt, daß ſie die Schäze ihres köſtlichen Humors reichlich entfaltete. Beſonders ſchön wie immer war ihr Geſang, und vorzüglich gelungen, u. wahrhaft überraſchend die Walzer-Kou— pletts. Sie ward mit Beifall über⸗ ſchüttet. Möchte ſie bald und auf län— gere Zeit wieder kommen!— Am 15. zum Erſtenmale:„der Roman einer Stunde“, aus dem Franzöſiſchen von Roſen. Eine Wittwe läßt vom Fenſter ein Buch fallen. Ihr vis-à-vis benüzt das Ueberbringen deſſelben zum En— terhaken der Bekanntſchaft, und in ei⸗ ner Stunde ſind beide verlobt. Man kann eben nicht über Ueberfluß an Handlung klagen, und dabei iſt das Ganze ſo loſe motibirt, wie die mei— ſten franzöſiſchen Luſtſpiele, und ſo kam es, daß das Luſtſpiel, troz der ſichtbaren Mühe, die ſich Dem. Mül⸗ ler u. Hr. Thome damit gaben, ſpur— los vorüber ging. E. Karl Frehmann.
Muſik.
Arad.(Durch Zufall verſpätet). Es iſt eine erfreuliche Wahrnehmung, wie ſehr die Liebe zur Muſik, ſeit der Errichtung des hieſigen Konſervato— riums ſich geſteigert hat, und doppelt lohnend iſt es, wenn man das aufkei— mende Talent durch die verſtändige Behandlung des Pflegers zur ſchönen Reife ſich ausbilden ſieht. Eine in die⸗ ſer Beziehung angenehme Unterhal— tung verſchaffte uns Hr. Johann. E. Weſſely, früher erſter Profeſſor am hierortigen Konſervatorium, durch die mit ſeinen Zöglingen am 30. Juli ab⸗ gehaltene Privat- Prüfung. Ein Pot⸗
pourri von Joh. E. Weſſely mit Mo⸗ tiven aus der Oper:„Montecchi und Capuletti“, eröffnete dieſelbe, u. war durch die gute Ausführung ganz ge— eignet, eine günſtige Stimmung beim anweſenden Publikum hervorzubringen. Eine vierhändige Sonate wurde von Joh. E. Weſſely und dem 9 jährigen Makowetz und eine Polonaiſe für die Violine von Johann E. Weſſely, von Braumüller gut vorgetragen.— Die von Joh. E. Weſſely für die Flöte komponirten Variationen blies der klei⸗ ne Ignaz Spizer recht rein; beſonders überraſchte derſelbe in der lezten Va— riation durch ſeine Fertigkeit in der Doppelzunge.— Variation brillante für die Violine über ein ungariſches Thema von Janſa ſpielte Jakob Spi⸗ tzer mit vieler Fertigkeit, und zeigte recht ſchöne Anlagen zu einem ſehr zarten Vortrage.— Den Schluß mach— te ein Konzert für die Violine von Rhode, welches mit überraſchender Prä— ziſion vom Franz Walter vorgetragen wurde. Die Wahl der Piecen beur— kundet den gewandten Meiſter, der den Schüler ſtufenweiſe zum Tempel der Kunſt hinanführt und in ihm die Luſt zum Weiterſchreiten rege zu machen weiß, um ſo ehrenvoller für Hrn. Weſ— ſely, da die Piecen von ſeiner Kom— poſition allgemein anſprachen. Im Gan⸗ zen bewies Hr. Weſſelly, daß er auch als tüchtiger Muſik-Lehrer die loben de Anerkennung verdient, die er ſich ſchon durch mehrfache Leiſtungen ſowohl im Spiel als in der Kompoſition be⸗ reits erworben hat.
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Mignon⸗Zeitung.
Belgrad. Unſer gefeierter Na— tionaldichter, Simeon Milutinovitſch, hat in Leipzig eine ſerbiſche National- Tragödie, betitelt„Obilitch“, u. ſer— biſche National⸗Poeſien unter dem Ti⸗


