589
Männer! So wiſſen Sie denn, Ihr Anblik und Ihr Gegenüberſtehen war mir ſo unleidlich, ſo zuwider, daß ich es vorzog, Ihnen je eher, je lieber den
Regenſchirm zu ſenden, um Sie nur recht bald von da drüben los zu wer⸗
den!“ haben nie zuſammen, um zu fragen:
— Daß ich bei dieſer Anrede ein verteufelt dummes Geſicht gemacht muß, wird man mir leicht glauben, doch raffte „Aber, mein holdes Fräulein, was hat Sie
ich noch alle meine Iro—
denn genöthigt, am Fenſter zu bleiben, wenn Ihnen mein vis-Avis ſo verhaßt war?“— Sie machte einen ſpöttiſchen Kniks, und ſagte lachend:„Und wie, mein genialer Herr, wenn ich nun meinen wirklichen Geliebten erwartet hätte? Ich empfehle mich Ihnen!“ und damit ſchlüpfte ſie in ein Nebenzimmer. Ich
machte Rechtsum und zog ab, indem ich den
zweideutigen Regenſchirm auf den
Tiſch legte. Darauf ſchrieb ich dieſe erbauliche Hiſtoria nieder, zur eigenen
öffentlichen Selbſtgeißelung, und zum moraliſchen und Eigenliebe ſämmtlicher Mannsperſonenwelt.
.
Ansichten.
Theater.
Ofen. Am 12. Sept.:„Johan- nes Guttenberg“, Schauſp. von Mad. Birch⸗Pfeiffer. Dies Schauſpiel kann als Muſterkarte aller Birch-Pfeiffer⸗ ſchen Werke betrachtet werden. Hand⸗ lung gerade ſo viel, um mit genauer Noth fünf Akte herauszubringen. Dies⸗ mal ſogar fiel nichts für ein Vorſpiel ab, was ſchon hinlänglich für die Ar⸗ muth des Stoffes zeigt. Charaktere ſo wie ſie Herkömmlichkeit und Sitte
für die Bühne als tauglich bezeichnen.
Eine Sprache, die jedes höhern An— flugs entbehrt. Hie und da eine Sze⸗ ne, welche die effektkundige Dichterin bewährt. Mit einem Worte eines je⸗ ner Schauſpiele, die man ſogar Kin⸗ dern ohne Gefahr eingeben kann. Ue⸗ berhaupt iſt es eine gewiſſe naive Harm⸗ loſigkeit, die mir in den Schauſpie⸗ len der Mad. B.⸗P. ſo ſehr gefallt. Nirgends ſtarke Leidenſchaften oder er— klekliche Verbrechen. Ja, trifft es ſich, daß ſie ſelbſt vom Stoffe etwas fort ge⸗ riſſen wird; ſo hören wir hintendrein ordentlich die Entſchuldigung: ein ver⸗ ehrungswürdiges Publikum wird er⸗
Exempel für die Eitelkeit (Bayr. Eilbote.)
0 i 0 eile. Begebnisse. ſucht, ſich nicht zu ſehr rühren zu laſ⸗ ſen, indem Alles nur eitel Komödie i ſt. Die Aufführung war größtentheile gut. Hr. Thome, in der Titelrolle beſchäf⸗ tigt, ließ uns die ſcharfen Umriſſe dieſes
deut ſchen Mannes ſehen. Er ſpielte wirkſam und erhielt großen Beifall. Dem. Zettler d. ä. griff durch. Wir ſahen ſie aber ſchon viel beſſer. Das Gute ihrer Leiſtung wurde erkannt. Mit Vergnügen ſpreche ich von der Lei— ſtung der Dem. Mäller(Käthe). Man ſieht es dieſer reich begabten Künſtle⸗ rin an, daß es ihr nicht nur um äu⸗ ßere Geſtaltung, ſondern auch um jene feinere Seelenmalerei zu thun iſt, die den geweiheten Mimen charakteriſirt.
So gelang es ihr der Käthe, einem
jener liebeſiechen Mägdelein, welche aus lauter Sittſamkeit dem Vater ent⸗ laufen, und aus zarter Jungfräulich⸗ keit dem Erkorenen ſich in die Arme werfen, ein natürliches Gefühl u. Le⸗ ben zu geben, was in der That keine kleine Aufgabe iſt. Ihre ſchöne Lei⸗ ſtung wurde vom Publikum mit rei⸗ chem, begeiſtertem Beifall gewürdigt. Noch waren die H. H. Juſt, Nötzl, Liebold u. Kurt beſchäftiget, u. wirk⸗


