Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
574
 
Einzelbild herunterladen

finſtern Spelunke geſeh'n ich ſag es nie wieder, denn:

Da drinnen war's gar fürchterlich,

und der Menſch beſuche dies Theater nicht,

und begehre nimmer und nimmer zu ſchauen Was d'rin bedekt iſt mit Nacht u. Grauen! Die Zornwellen des ergrimmten Pu- blikum's haben zuſammengeſchlagen, über dieſe häßliche Mißgeburt, entſtan⸗ den in der wahnwizigen Hirnſchale ei⸗ nes Bedlams⸗Inſaſſen. Tief liegt dieſe Mißgeburt begraben in dem Schlamme des allgemeinen Abſcheues. Ich frage, wie lange wird man ſich mit ſo elen⸗ den Machwerken, mit ſolchem geſchmak⸗ und gehaltloſen Unſinnsbrei fop⸗ pen und hintergehen laſſen?? Aber ſo geht es, wenn ein jeder ſchlechte Schauſpieler ein Stük ſchreibt u. wenn Direktionen, welche wohl von dem Bau⸗ meder Erkenntniß des Guten und Schlechten gekoſtet haben ſollten ei⸗ nen jeden Plunder zur Aufführung bringen, um nur die Kaſſa zu füllen Der unſterbliche Verfaſſer des beſpro⸗ chenen Stükes kann aus dem, nur zu deutlich ſich kund gegebenen Unwillen der gereizten Zuſchauer, die wohlge⸗ meinte Lehre ziehen: ſich für die Fol⸗ ge diePoſſen-Schreibeluſt gänzlich vergehen zu laſſen!! Doch genug! Zu etwas Anderem: Die zweite Aus⸗ ſtellung des topographiſchen Kabinets der Mad. Strahler von Wolkenberg bietet wieder ein reiches Feld ſehens⸗ werther Gegenſtande. Beſonders gefal⸗ len durch herrliche, naturgetreue Auf⸗ faſſung die zwei Anſichten der Czaren⸗ ſtadt Petersburg mit den großartigen Palläſten und Kirchen; dann der Klo ſtergang eines Kapuzinerkloſters in Rom; ein Raubrittergelage aus den Zeiten des Fauſtrecht's und der impo⸗ ſante Rheinfall bei Schaffhauſen. All dieſe Gemälde ſind mit reizender Ve leuchtung dargeſtellt. Die Aufführung der angekündigten neuen Poſſe:Die

Wachsfigur, im eopoldſtaͤdter Thea⸗ ter, unterblieb ſür jezt, dafür werden wir aber in wenigen Tagen denGaſ⸗ ſenjungen, eine Meisl'ſche Ueberſe⸗ zung desGamin de Paris, ebenda⸗ ſelbſt zu Geſicht bekommen. Heute, den 4. Sept., iſt ein großes Feſt im Augarten, betitelt:Die Eiſenbahn von Wien nach Brünn im Jahre 1838. Der ungeheure Anſchlagzettel verſpricht Ungewöhnliches. Nun, wir wollen ſehen! Alambre.

Antwerpen. Der Precurſeur d'Anvers gibt merkwürdige Details, die ganz richtig ſein ſollen, über ein junges Mädchen, das ziemich lange in einem Zuſtande der Wildheit in der Nähe von Maſtricht lebte. Das Mädchen heißt Genoveva Colombo, wurde in Novara(in Piemont) geboren, und in dem großen Findel hauſe jener Stadt erzogen. Sie erzählte ihre Geſchichte ſelbſt mit folgenden Worten. Sie nennt ſich die Tochter einer vornehmen Dame vom Hofe Königs Karl Felix und el⸗ nes Generals, der aus Maſtricht ge⸗ bürtig ſein ſollte; ein bejahrter Mann bezahlte jährlich ihr Koſtgeld in dem Hoſpitale zu Novara, und erkundigte ſich bisweilen nach ihr, bis ſie vor ei⸗ nigen Jahren dieſen Beſchüzer durch den Tod verlor. Sie erkundigte ſich, und erlangte endlich Papiere, welche den Tod ihres Vaters beſcheinigten; dieſer hatte beim Tode ſein Vermögen ſeinem Bruder, einem Canonicus in Maſtricht, hinterlaſſen, in ſeinem Te⸗ ſtamente aber feſtgeſezt, wenn die Toch⸗ ter, die er in Italien habe, ausge⸗ mittelt werde, müſſe er derſelben einen Jahrgehalt zahlen, deſſen Betrag er feſtſezte. Mit dieſen Papieren erſchien Genoveva vor den Thoren Maſtrichts. Anfangs wurde ihr der Eintritt ver⸗ weigert; ſie kam aber ſo oft, daß man ſie endlich nach ſechs Wochen einließ, nachdem ſie vor einem italieniſchen Ge⸗