Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
575
 
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nieoffifier ein langes Verhör beſtanden hatte. Vierundzwanzig Stunden nach ihrem Eintritte in die Stadt nahm man das arme Mädchen feſt, u. führte ſie in das Gefängniß, wo man ihr alle Papiere abnahm. Nach 6 Tagen brach te man ſie wieder zur Stadt hinaus, ohne ihr die Papiere wieder zu geben. Da ſie durchaus immer wieder hinein wollte, ſo ſagte man ihr, jeder Sol dat, der ſie im Rayon der Feſtung treffe, habe das Recht, ſie anzuhalten und in das Gefängniß zu bringen, wo man ſie als Spion behandeln würde. Sie zog ſich nun in die Grotte St. Pe⸗ ter zurük, in welcher ſie ſich andert halb Jahr aufhielt, während welcher Zeit ſie auf dem nakten Felſen ſchlief, und keine Nahrung zu ſich nahm, als was die Landleute in der Nähe ihr hinſezten; ſo verlor ſie den Verſtand. Ein gewiſſer Hr. van der Wrecken ließ ſie endlich aus der Höhle und in ein Irrenhaus in Lüttich bringen, wo man ſie ſeither ſorgfältig behandelt hat, ohne ihr indeß den Verſtand wiederge⸗ ben zu können. Sie behauptet, dazu geboren zu ſein, um in Marmorpalä⸗ ſten zu leben, und will nur ſeidene Kleider und ſammetne Schuhe tragen. Gibt man ihr andere Kleidungsſtüke, ſo zerreißt ſie dieſelben. C. Danzig. Ein Taglöhner ver- fiel dieſer Tage in die Cholera, der herbeigerufene Arzt findet den hef⸗ tigſten Grad derſelben, und meint, der Kranke möge ſich als Chriſt auf ſeinen Hinübergang vorbereiten. Die ſer aber meint, als der Arzt fort iſt, ſein Wahlſpruch ſel: luſtig gelebt und ſelig geſtorben! er wolle fidel entſchla fen; er läßt ſich von ſeiner Frau ein Quart des ſtärkſten Kornbranntweins bringen, und trinkt ihn mit den Wor⸗ ten Na, ich liege in den lezten Zü⸗ gen, ſo mag dies mein lezter Zug 3 einem Zug aus. Die bedeu⸗

tende Erwärmung u. Aufregung, wel⸗ che dieſe gar nicht homzopathiſche Kur erzeugte, ließ bald einen ſtarken Schweiß hervorbrechen, die Cholera entwich, aber ein anderes Uebel, der ſogenannte Zitter- oder Säuferwahnſinn(Delirium tremeus) trat an deren Stelle ein. Der wiederkehrende Arzt fand dieſe Meta⸗ morphoſe vor, die er durch zwekmäßige Mittel glüklich heilte. Möge ſich jedoch Niemand verleiten laſſen, ein Exempel daran zu nehmen; der er⸗ wähnte Fall mögte ſonſt mit ſeinem glüklichen Ausgange wohl nur als ei⸗ ne einzige Ausnahme von der Regel daſtehen! 8.

Buntes aus Paris.Geht es beſſer mit Ihrem Geſicht? fragte ein Freund den Herzog von Hamilton, der ſich von Hahnemann behandeln ließ. Nein, antwortete der Herzog,aber die Augen ſind mir geöffnet worden. In der Gemeinde Marbaix im Nord- departement befindet ſich eine Familie Wal haux, in welcher die Blindheit erb lich ſcheint. Der Vater war blind, u. unter ſeinen 8 Kindern waren 6 eben falls des Augenlichtes beraubt, die ſämmtlich im Jahr 1816 am Staar operirt wurden. Einer ſeiner Söhne verheirathete ſich ſeitdem und aus ſei⸗ ner Ehe ſind 5 blinde Kinder her vor⸗ gegangen. Bei der erſten Fahrt auf der Eiſenbahn von Paris nach St. Ger main war das Zuſtrömen der Neugie⸗ rigen ſo groß, daß einzelne Billets von Spekulanten zu 60 Frks. verkauft wurden. Zu einem Manne, der kürz⸗ lich im Boulogner Wäldchen ſpaziren ging, traten drei Männer, die ihn ſehr artig anredeten u. ihn erſuchten, doch der zweite Sekundant bei dem Zweikampfe ſein zu wollen, den ſie eben beſtehen wollten. Unter dieſem Vorwande lokten ſie ihn in das Ge büſch, wo ſie ihm ein Piſtol auf die