Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
569
 
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Kunst, Eleganz und Mode.

Veßuler Sehe gang.

72. Sonnabend, 9. Septemb. 1837.

aue d a m e.

(Beſchluß.)

In Moskau beſtand eine Geſellſchaft reicher Spieler unter dem Vorſiz des berüchtigten Tſchekalinski, der ſein ganzes Leben hinter den Karten zugebracht, einſt Millionen zuſammengerafft, Wechſel gewonnen und baar Geld verſpielt hatte. Eine lange Erfahrung hatte ihm das Vertrauen ſeiner Gefährten erworben, und ein offenes Haus, ein vortrefflicher Koch, freundliches Weſen und Heiter keit die Gunſt des Publikums. Er kam nach Vetersburg. Die jungen Leute ſtrömten ihm zu, vergaßen ihre Bälle füg Tſchekalinski's Karten, und zogen das verführeriſche Pharo den Lokungen Kourmacherei vor. Narumoff führte Herrmann bei ihm ein.

Sie ſchritten durch eine Reihe prachtvoller, mit höflichen Hausbeamten angefüllter Zimmer. Die Menge der Gäſte war in allen Zimmern groß. Ei nige Generale und Geheimeräthe ſpielten Whiſt, junge Leute ſaßen, bequem ausgeſtrekt, auf ſeidenen Divan's, aßen Eis und rauchten Tabak. Im Gaſt zimmer ſaß der Wirth des Hauſes an einem großen Tiſch, um welchen ſich ei nige zwanzig Spieler drängten, und machte Bank. Er war ein Mann von ungefähr ſechszig Jahren und ſehr würdigem Aeußern; ſein Haupt dekte Sil berhaar; auf ſeinem vollen und friſchen Geſicht ſprach ſich Gutmüthigkeit aus; ſeine Augen glänzten und ein beſtändiges Lächeln belebte ſeine üge. Narumoff ſtellte ihm Herrmann vor. Tſchekalinski drükte ihm freundſchaftlich die Hand, bat ihn, keine Umſtände zu machen und fuhr fort zu tailliren.

Die Taille dauerte lange. Auf der Tafel waren über 50 Karten geſezt. Tſchekalinski hielt nach jedem Abzuge an, um den Spielern Zeit zu laſſen, ihr Spiel zu machen, notirte die verlorenen Summen, fügte ſich höflich den Wünſchen der Pointeurs, und bog mit noch größerer Höflichkeit ein in der Zerſtreuung zu viel gemachtes Ohr wieder aus. Endlich war die Taille 36