567 entwikeln ſollte. Die Aufführung konn- wer trägt die Schuld?“ hätte gerun⸗
te man gut nennen. Hr. Thome gab der Titelrolle eine würdige Haltung, und das iſt vielleicht das Einzige, was ſich aus dieſer dramatiſchen Nebelge— ſtalt machen läßt. Dem. Müller war in ihrer kleinen Rolle höchſt liebens— würdig wie immer. Hr. Juſt war et⸗ was zu karikirt.— Vorher:„die Hel⸗ den“ von Marſano. Die beiden Delles. Zettler ziemlich drollig in der Verklei— dungsſzene. Noch muß ich den Souff— leur lobend erwähnen, der manchmal mit Kraft eingriff.— Am 30.:„Die Günſtlinge“ v. Mad. Birch-Vfeiffer. Es iſt ſo eine Herkömmlichkeit unter den Rezenſenten, über die Geiſteskinder der Mad. B.-P. nachgerade den Stab zu brechen. Ein vornehmes Lächeln, einige Wortwize werden hiezu als ge— nügend erachtet. Ich will mich gerade nicht zum Apolegeten dieſer induſtriel— len Muſe aufwerfen, aber gewiß iſt es, daß ihre Stüke einem fühlbaren Ve— dürfniſſe entgegen kommen. Sie ver— ſteht es, das Eros des Publikums zu rühren, und was das Gute dabei iſt, auf eine ſehr unſchuldige Art, ohne Torturen und Frivolitäten. Und fehlt auch ihren Werken eine tiefere poeti⸗ ſche Weiſe, ſo wiſſen wir es ihr doch Dank, daß die überrheiniſchen Krimi— nalſtüke durch ſie(2) von dem Reper— toir verdrängt wurden. Geſpielt wur— de, wie man es nur von den Kräften dieſer kleinen Bühne wünſchen konnte. Die Palme des Abends gebührt der Dem. Müller, die die abgegriffene Gar— deroben-Figur der Prinzeſſin Agraffine durch Wärme des Gefühls, ſo wie über— haupt durch ihre ſchönen Mittel zu einem bedeutſamen Intereſſe er hob. Nächſt ihr verdienten Delle. Zettler d. ä.(Catharina) u. Hr. Thome(Po⸗ temk jn) Erwähnung. Veide wußten theilweiſe Effekt zu erregen.— Am 31.:„Zwei Jahre verheirathet, oder
deter gegeben werden können. Dem. Mül⸗ ler ſpielte brav, aber man konnte leicht ſehen, daß das ſchleppende Spiel der Mitwirkenden ſtörend auf ſie einwirk— te. Hierauf:„Der Dorfbarbier“ von Schenk. Hr. Seydl war recht komiſch, ohne zu forcirten Mitteln ſeine Zu⸗ flucht zu nehmen.— Am 4. trat Mad. Jäger, v. Leopoldſtädt. Theater, als Mad. Pims, in der„eleganten Bräu— meiſterin“ zu erſten Mal als Gaſt auf. Sie reuſſirte vollkommen. Köſtliche Lau— ne, höchſt anmuthiger Geſang und na— türliches Spiel. Großer Beifall. Die ganze Vorſtellung war, durch die ſehr gelungenen Leiſtungen der H. H. Seydl und Kurt und der Mad. Thome, eine äußerſt wirkſame.— Am 6. ward ſie wiederholt. C. Karl Frehmann.
Mignon⸗Zeitung.
Buntes aus Paris. Ein junger franzöſiſcher Reiſender, Namens Durocher, der in Italien auf ſeine Koſten Nachgrabungen anſtellen ließ, ſah ſeine Bemühungen durch die Auf⸗ findung einer vollkommen erhaltenen Marmorbüſte Virgils belohnt, die zu den ansgezeichnetſten Meiſterwerken der römiſchen Bildhauerei gehört. Der un— ten eingegrabene Name Virgils läßt. keinen Zweifel über die Authentizität der Verſon übrig. Merkwürdiger Weiſe hat das Geſicht Virgils eine auffallen⸗ de Aehnlichkeit mit den Zügen Talmas. — Als in Bordeaux die Oper:„die „Jüdin“, aufgeführt wurde, und bei Darſtellung des großen Einzuges Pfer— de auf die Bühne gebracht wurden, ſtürz⸗ te eins dieſer Thiere, welches von ſei⸗ nem Reiter ſchlecht gelenkt wurde, ge— gen die Lampen vorn an der Brüſtung, und wäre faſt in das Orcheſter gefal— len. Da der Reiter Zügel und Bügel verlaſſen hatte, erhob es ſich jedoch von


