Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
566
 
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bar zu machen wußte. Mad. Grill (Molly) hatte einen koketten Charak⸗ ter durchzuführen, und man weiß, wie ſehr ſie da auf ihrem Plaze iſt. Sie ſpielte mit ungemeiner Leichtigkeit, und keine der zarteſten Schattirungen ging ihrer geiſtreichen Auffaſſung ver loren. Nur würden wir ein-für alle mal das höfliche Erſuchen an ſie ſtellen, die Worte, beſonders die Zeitwörter, richtiger zu accentuiren. Z. B. darf dei Erſchroken,erleben,weken gc. nie der Ton auf die lezte Sylbe fal len; es klingt dann wie Ziererei und iſt undeutſch. Mad. Kalis-Padjera (Kriegsräthin) ſpielte mit Anſtand und Würde. Hr. Poſinger(Valentin) hatte eine wirkungsvolle Komik. Die klei nern Rollen waren in den Händen der H. H. Demmer, Pauli, Dietrich, Fröh lich, der Damen Dem. Deny, Mad. Klimmetſch u. der kleinen Werkowitſch, u. Alles bewegte ſich im ſchönſten Ein klange. Der Beifall war ſehr groß u. die H. H. Berg u. Deſſoir und Mad. Grill wurden ſtürmiſch gerufen. In die Oper bringen die Gaſtſpiele der Dem. Henriette Carl und des Herrn Wurda fortwährend Eklat und Leben. Die Carl ſang am 1. d. M. die Roſi⸗ na, imVarbier u. bereitete uns ei⸗ nen Genuß der ſeltenſten Art. Hier war ſie wieder vollſtändig auf ihrem Plaze. Wer ſingt ihr dieſe Cavatine ſo bald nach! Wie viel Reiz und An⸗ muth lag in dieſem Geſange! Sie re präſentirt den italieniſchen Geſchmak und verſezt uns auf eine Weile in die Scala oder in den St. Carlo. Und vollends die Einlage bei der Lek tionsſzene! Es waren Variationen aus Vaccaj'sPietro il grande, die an und für ſich ein höchſt brillantes Mu ſikſtük ſind, und die von unſerer hoch geſchäzten Sängerin mit allem Zauber, mit allem Klang und Schmelz ihrer Stimme, mit einer herrlichen Kolora

tur und einer liebenswürdigen Legeri⸗ tät vorgetragen wurden. Sie mußte bei⸗ de erwähnten Muſikſtüke wiederholen. Die Carl ſoll noch die Don na An na inDon Juan und den Romeo ſingen; auf leztern freuen wir uns be ſonders. Hr. Wurda ſang denZam pa und ſo viel wir uns auch von dem Künſtler in dieſem Part verſprachen, ſo wurde uns leider faſt Alles durch eine ihn befallene Heiſerkeit vereitelt. Aber post nubila Phoebus; am 3. d. M. erſchien er wieder u. zwar zum dritten Male als Eleazar in der din, und er war im vollen Beſize ſei ner preiswürdigen Mittel. Man weiß, was das bei dieſem ausgezeichneten Sänger ſagen will. Er ſchwelgte in Kraft und Wohllaut. Sein Vortrag war voll Energie und lebendigen Aus- drukes. Eminent war er in dem Fi⸗ nale des zweiten Aktes, in dem Duette mit Hrn. Kaler, in der brillanten Arie des vierten Aktes und am Schluſſe der Oper. Er ward mit Beifall überſchüt⸗ tet u. mehrmal gerufen. Der Schluß der Oper ward diesmal geändert. Die Sache bekommt eine glükliche Wendung und das Ende iſt nicht mehr tragiſch. Wohl mag darob mancher Zuſchauer, ſich vergnügt die Hände reibend, befriedigt den Schauplaz verlaſſen. Aber das Ton⸗ werk verliert an dramat. Konſequenz u. um die ganze Charakteriſtik iſt es ge ſchehen. Warum ohne Noth ſolch ein Verheerungsſyſtem gegen die Idee des Dichters u. des Tonſezers? 3 M,

Ofen. Am 29. Aug.:Der alte Student von Maltitz. Dies Drama hat mehr durch die Schikſale ſei ner Aufführungen als durch weſentli⸗ chen Gehalt ſich im Gedächtniſſe der Bühnenwelt erhalten. Die matte und eben nicht neue Fabel kann aber auch nicht jenes Intereſſe erregen, das ent fernt von allen Neben beziehungen ſich nur auf rein dramatiſchem Wege

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