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Der Saͤnger Thevenart wurde ſaſt auf dieſelbe Art behandelt und batte keinen andern Ausweg, ihrer Züchtigung zu entgehen, als daß er ſie öffentlich um Verzeihung bat, nachdem er ſich drei Wochen im Palais Royal verſtekt gehabt batte.
Bei einem vom Bruder König Ludwigs XIV. gegebenen Valle zog ſie abermals männliche Kleidung an, und wurde, weil ſie ſich gegen eine Dame ungebührlich benahm, von drei Freunden derſelben herausgefordert. Durch die Entdekung ihres Geſchlechts wäre der Kampf vermieden worden, ſie aber zog ſogleich den Degen, und tödtete alle drei Herren. Sie kehrte hierauf ganz ruhig nach dem Saal zurük, erzählte dem Prinzen die Geſchichte und bat ihn,
ihr beim Könige Gnade zu erwirken.
Nach mehreren ähnlichen Abenteuern kam ſie nach Brüſſel, wo ſie den Kur— fürſten von Baiern kennen lernte. Dieſer Fürſt ſchikte ihr einſt durch den
Grafen von Arcos eine Vörſe mit 40,000 Liv. nebſt dem Befehl, Die La Mauchin warf aber dem Grafen den Beutel an den Kopf
perlaſſen.
und kehrte zur Pariſer Opernbühne zurük,
Brüſſel zu
die ſie erſt 1705 verließ, um ſich
mit ihrem Gatten wieder zu vereinigten. Sie lebte mit ihm dann in der Provence in ſtiller, glüklicher Eingezogenheit, nur kurze Zeit, denn ſie ſtarb 1707, im 32. Wale ihres Alters.
Auslehten Urtheile. Gegen
Theater.
Pe ſt h.(Vater u. Sohn. Ein ſchlech⸗ tes u. ein gutes Luſtſpiel. Carl. Wur— da.)„Vater u. Sohn“, dieſes Charak— tergemälde einer geiſt- u. gemüthrei⸗ chen Verfaſſerin, kam am 30. v. M. zur wiederholten Darſtellung auf un— ſerer Bühne. Das Stlük iſt bereits ausführlich in dieſen Blättern beſpro— chen worden, und wir haben nur zu bemerken, daß dem damals ausgeſpro— chenen Wunſche, ihm einige Längen zu benehmen, wodurch dem Ganzen gewiß ein erheblicher Dienſt geleiſtet wor— den wäre, zwar nicht entſprochen wur— de, daß aber nichtsdeſtoweniger die le— bendigen Schilderungen, die gutgehal— tenen Charaktere und die edle Sprache wieder einen ſehr guten Eindruk auf das Publikum machten; die Schlußſzene be— ſonders war von ungemeiner Rührung. Die Darſtellung war von Seiten der Mad. Grill und der H. H. Demmer,
Poſinger, Dietrich, Berg und Fröh— lich gut.— Einige Tage früher, am 24. kam ein neues Luſtſpiel:„Lie— besgeſchichtchen“(in welchem Luſtſpiele kommen dergleichen nicht vor?) zum erſten Male, und nach dem, wie es vom Publikum aufgenommen wurde, auch gewiß zum lezten Male in die Sze⸗ ne. Wir bedauern, daß der ungenann— te Verfaſſer ſein Talent nicht auf ein anderes Feld als auf das des Luſt- ſpiels pflanzte. Wenige finden da Be— ruf, und die hier gedeihenden Früchte ſind eben ſo koſtbar als ſelten.— Doch haben wir zehn Tage darauf ein an— deres Luſtſpiel kennen gelernt, das ge— wiß zu den vorzüglichſten Erſcheinun⸗ gen der deutſchen Bühne neueſter Zeit gehört.„Der Naturmenſch“, ein Kom— pagnieſtük der beiden Preis-Eroberer, W. A. Gerle und Uffo Horn, ward am 2. Sept. zum erſten Male gegeben. Noch hat unſere Bühne das preisge— krönte Luſtſpiel ſelbſt der beiden Ver⸗


