Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
563
 
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Lange konnte er nicht zur Veſinnung kommen. Er ging in's nächſte Zim⸗ mer. Sein Denſchik ſchlief auf der Diele; nur mit Mühe konnte er ihn erwe ken; er war wie gewöhnlich betrunken und es war nichts von ihm heraus zu bringen, die Flurthier fand Herrmann verſchloſſen. Er kehrte in ſein Zimmer zurük, zündete ein Licht an, und ſchrieb nieder, was ihm ſo eben geſchehen war.

VI.

Zwei feſte Ideen können in der moraliſchen Natur eben ſo wenig beſte, hen, als in der phyſiſchen Welt zwei Körper eine und dieſelbe Stelle einneh men können. Die Drei, die Sieben und das verdrängten in Herr mann's Einbildungskraft ſehr bald die Erinnerung an die verſtorbene Alte. Die Drei, die Sieben und das kamen nicht aus ſeinem Kopfe und ſchweb ten immer auf ſeinen Lippen. Wenn er ein junges Mädchen ſah, rief er: Wie hübſch gewachſen iſt ſie! Eine wahre Coeur-Drei. Man fragte: wie viel iſt die Uhr: ſeine Antwort war: fünf Minuten vor Sieben. Jede dikbäuchige Mannsperſon kam ihm wie ein vor. Drei, Sieben und verfolgten ihn im Traum unter allen möglichſten Geſtalten. Die Drei blühte ihm entgegen wie eine üppige Grandiflora, die Sieben erſchien ihm wie ein gothiſches Thor, das wie eine ungeheure Spinne. Alle ſeine Gedanken vereinigten ſich in einen einzigen von dem Geheimniß, das ihm ſo viel koſtete, Gebrauch zu machen. Er dachte an ſeinen Abſchied und an Reiſen. In den öffentlichen Pa riſer Spielhäuſern wollte er der 8 ſeinen Schaz abnöthigen. Das Schikſal erſparte ihm dieſe Mühe.

(Beſchluß folgt.) Der weibliche Haudegen.

Einen ſolchen lernen wir in der Sängerin La Mauchin in Frankreich kennen. Sie wurde im Jahr 1675 geboren, gehörte zu Lulli's Schule und führte ein kurzes, aber abenteuerliches Leben.

Sie heirathete einen jungen, mittelloſen Mann, der kurz darauf ſich von ihr entfernen mußte, um in der Provence eine Stelle, die ihn ernähren konnte und wohin ſie ihm nicht folgen wollte, anzunehmen. Sie ließ ihn daher im Stich, und begab ſich zu einem Fechtmeiſter, deſſen, Kunſt ſie ſich auf eine aus⸗ gezeichnete Art zu eigen machte. Sie reiſte mit dieſem Manne nach Marſeille, wo ſie die Noth trieb, bei der Oper eine Anſtellung zu ſuchen, was ihr, da ſie eine gute Sängerin war, leicht gelang.

Nach Jahresfriſt ging ſie nach Paris und erſchien im Jahr 16953 zuerſt in der Rolle der Pallas, imKadmus mit dem größten Beifalle auf der Bühne, und ſeit dieſer Zeit dauerte ihr Glük fortwährend.

Als der Sänger Dumeni ſie beleidigt hatte, legte ſie Mannskleider an, lauerte ihm auf dem Place des Victoires auf, und forderte ihn zum Zwei- kampf heraus. Da er ſich weigerte, ſo ſchlug ſie ihn mit dem flachen Degen und nahm ihm Uhr und Tabaksdoſe ab. Am folgenden Tage als Dumeni ſich rühmte, ſich gegen drei Männer vertheidigt zu haben, die ihn hätten berauben wollen, erzählte be die Begebenheit und zeigte die abgenommenen Stüke vor.