Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
561
 
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Kunst, Eleganz und Mode.

Vebiater Habrg ,?

71. Mittwoch, 6. Septemb. 1837.

Pi que Dam e. (Fortſezung.)

V.

Ju dieſer Nacht erſchlen mir dle verſtorben' Baroneſſe von W.. Sie war ganz weiß angezogen und ſagte mir:Guten Tag, Herr Rath!

Schwedenborg.

Drel Tage nach dieſer tragiſchen Nacht, um 9 Uhr Morgens, begab ſich Herrmann in's* Kloſter, wo das Leichenbegängniß der entſeelten Gräfin ſſtattfinden ſollte. Ohne Reue zu fühlen, konnte er doch die Stimme ſeines Gewiſſens, die ihm ſagte:du biſt der Mörder dieſer Alten, nicht ganz un⸗ terdrüken. Mit nur ſehr wenig wahrer Religion hatte er eine Menge von Vorurtheilen. Er glaubte daran, daß die entſchlafene Gräfin einen ſchädlichen Einfluß auf ſein Leben haben könne und beſchloß, ſich bei ibrem Begräb niß einzufinden, um ihre Verzeihung zu erbitten.

Die Kirche war voll. Nur mit Mühe konnte Herrmann ſich durch die Menſchenmenge drängen. Der Sarg ſtand auf einem reichen Katafalk unter einem Thronhimmel von Sammet. Die Verblichene lag in demſelben mit, auf der Bruſt gekreuzten Händen, in einer Spizenhaube und einem Anzuge von weißem Atlas. Ningsum ſtanden ihre Angehörigen: die Diener in ſchwarzer Tracht mit Achſelbändern, die, das gräfliche Wappen tragend, von den Schul⸗ tern herabhingen, und mit brennenden Lichtern in den Händen, die Verwand⸗ ten im Kleide tiefer Trauer, Kinder, Großkinder und Enkel. Niemand weinte; Thränen wärenune aſſectation geweſen. Die Gräſin war ſo alt, daß ihr Tod Niemanden unerwartet gekommen und von ihren Verwandten längſt vorausgeſezt war. Ein Geiſtlicher hielt die Leichenrede.Der Todesengel! ſprach er am Schluß,fand die Erblaßte in heiligen Betrachtungen verſun⸗ ken und den verheißenen Erlöſer erwartend. Der Gottesdienſt ward mit an