Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
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hunden u. elner Kaze; alle Herrſchafts⸗ betten in ihrem großen Hauſe waren ſorgfältig gemacht, obgleich ſie ſeit 50 Jahren nicht benuzt worden waren. Die Fenſterſcheiben waren ſeit langer Zeit nicht gereinigt worden u. der Staub, der ſie bedekte, war ſo dik, daß kaum das Tageslicht durchzuſcheinen vermoch te. Dieſe Dame war der Mode der Zeit Georg's 1. treu geblieben; ſie trug einen hohen gepuderten Haar⸗ ſchmuk, ein langes Schleppkleid, Schu he mit hohen Abſäzen u. einen Stok mit einem goldenen Knopf; ſeit 90 Jahren war dies immer die Toilette dieſer Dame geweſen. Stets ſaß ſie in demſelben Lehnſeſſel und trank ihren Thee aus derſelben Taſſe. Sie verab ſcheute die Aerzte, was ſie aber durch aus nicht hinderte, ſich ſehr wohl zu befinden; ſie hat unter fünf verſchie⸗ denen Regierungen gelebt u. ihr aus- gezeichnetes Gedächtniß hätte ſie kön⸗ nen zu einem tüchtigen Geſchichtſchrei ber machen. Der Tod einer Freundin hatte ſie in der lezten Zeit ſtark er ſchüttert. Sie iſt geſtorben, ohne einen Arzt rufen laſſen zu wollen. 85 Lyon. In einer Gemeinde. bei Lyon befindet ſich ein kleiner See, in welchem vor einigen Jahren ein jun ger Mann ertrank. Aus Aberglauben waren nun die Einwohner nicht zu be wegen, den See auszutroknen, und da durch die üblen Dünſte zu entfernen. Der Maire verfiel daher auf eine Liſt.

Er ließ eines ſeiner Pferde in das

Waſſer reiten und ihm ein Goldſtük unter das Hufeiſen legen; natürlich hinkt es beim Herausreiten. Man ließ es durch den Hufſchmied unterſuchen,

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rücht verbreitet ſich wie ein Lauffeuer durch das Dorf, daß im See Schäze vergraben lägen, und in Zeit von 24 Stunden war er total ausgeſchöpft. Der Maire bekannte nun ſeinen Kunſt griff, gab aber den Arbeitern das Zwan⸗ zigfrankenſtük und ein Faß Wein zum Beſten. E. St. Etienne. Unſere Stadt iſt wieder von einer Ueberſchwemmung heim⸗ geſucht worden, die faſt ſo heftig war, als jene von 1854. Mehrere Perſonen ſind ums Leben gekommen, und zwar die meiſten dadurch, daß ſie ſich der Gegenſtände bemächtigen wollten, dle der Strom mit fortgeführt hatte. L. Paris. Hier ward Anfangs die ſes Jahres eine Subſkription für den berühmten Richard Lenoir eröffnet, der, einſt der größte Fabrikant Frankreichs, nun in ſeinem 74⸗ſten Jahre der drü kendſten Noth Preis gegeben iſt. Er beſaß einſt in verſchiedenen Gegenden Frankreichs gegen 40 Fabriken und be ſchäftigte in dieſen nicht weniger als 10,648 Arbeiter. Mein Vermögen, ſagt er im erſten Bande ſeiner Memoiren, betrug am 22. April N acht Millionen Frks., und am 24. war ich ein ruinirter Mann. Als einzige Ur ſache ſeines Unglükes gibt er die pl öz⸗ liche Aufhebung der Zölle auf die Baum⸗ wolle an, welche von dem damaligen Gra⸗ fen von Artois, nachherigem Karl X. verfügt wurde. D.

Modenbil d. Nr. 35.

(Paris, 20. Auguſt.) Die Dame: Hut von Pou de Sole mit Federn. Ueberrok von Gros de Naples. Schärpe von Tulle. Der Herr: Neuer Anzug aus dem Atelier

und dieſer fand das Goldſtük. Das Ge, des Herrn Human.

Halbſäbriger Preis 4 fl., mit freler Poſtzuſendung 6 fl. E. m. Man pränumertrt im Kommiſſiontamt du Ofen(Feſtung, autberhalb

u. F. Tomalas Kunſthandlungen iu Peſth

5 fl. und poſtfrei des Wafſerthort), in C. Millers

5 fl. Auf Belinpapier mit erſten Kupferabdrilfen

und bei allen f. k. Poſtämtern.

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen. *